Brief-der-Seele

Brief Deiner Seele an Dich

Viel zu viele Jahre habe ich über meine Verhältnisse gelebt. Nein, nicht finanziell, sondern gesundheitlich. Ich habe nicht auf mein innerstes gehört, meine Seele, sondern das gemacht, was von mir erwartet wurde – sei es die Ausbildung die mich langweilte, das Wohnen in einem Ort den ich nicht mochte oder dass ich keine Grenzen gesetzt habe, als mich manche Gespräche zu sehr belasteten.

Und obwohl ich merkte, dass es mir damit nicht gut ging, habe ich so weiter gemacht. Weil ich dachte, dass muss so sein, dass erwarten die anderen, wenn ich dass so mache, dann werde ich mehr geliebt.

Das ist Bullshit und das wissen wir! Irgendwann holt uns dieses Getue ein – wir werden unglücklich! Muss der Mensch erst auf sein Näschen fallen, ehe er auf sein innerstes hört?

Der folgende Brief ist von Eva-Maria Eleni, einer Schriftstellerin aus Österreich, die der Seele Mal das Wort überließ:

Ich bin´s, Deine Seele!

Lang hast Du nichts mehr von mir hören wollen,
doch tief in Dir schlummere ich, noch immer,
denn fort war ich nie!
Manchmal hörst Du mich, manchmal hörst Du mir sogar zu,
doch vertrauen tust Du mir sehr selten, oder womöglich nie!

Du hast so oft Angst vor mir –
Angst davor, dass ich Dir etwas erzähle,
das Du nicht hören möchtest,
Angst davor, dass ich Dein gewohntes Leben aus den Bahnen werfen würde.
Und diese Angst, Du fühlst sie richtig, denn das würde ich,
und ich werde es, sei Dir gewiss!

Du hast folgenreiche Entscheidungen für Dein Leben getroffen,
in Zeiten, in jenen Du mich nicht hören konntest,
in Zeiten, in welcher die Stimmen derer um Dich viel lauter waren.
Es gab Zeiten, da hast Du Dich so weit von mir entfernt,
nicht mehr mit mir gesprochen, mich ganz und gar vergessen!
Es gab Zeiten, in jenen Du glaubtest, ich wäre für Dein Leben unbrauchbar,
denn das, was zählte im Leben, hätte mit mir nichts zu tun.
Du begannst Dein Leben aufzubauen und es klappte – irgendwie –
Du hast Dich dran gewöhnt!

Eines Tages hattest Du mir schon so lange nicht mehr zugehört,
bis du mich beinahe vergessen hattest.
Doch je mehr ich ins Vergessen rückte,
umso blinder und tauber wurdest Du,
umso getriebener von allen möglichen äußeren Umständen,
umso mehr ranntest Du umher,
ohne recht zu wissen, wozu und wohin überhaupt,
konfus, irr, wie von Sinnen.

Eines Tages habe ich mich wieder bei Dir gemeldet!
Ich erzählte Dir ein paar Dinge,
oder ich zeigte Dir,
was Du nicht übersehen konntest, nicht überhören konntest.
Dann liefst Du aber Gefahr vor den Scherben
Deines bisherigen Lebens zu stehen.

Mit einem Schlag –
gewiss fühlte es sich an wie ein Schlag ins Gesicht –
Mit einem Schlag wusstest Du,
dass alles was Du Dir je ohne mich aufgebaut hast,
zerstört werden würde, eines Tages!
Da kam Dein Schmerz hoch, ganz schlimm,
schnell fortgehen sollte er, bekämpfen musstest Du ihn.

Und doch,
meine Stimme konntest Du fortan nicht mehr dauerhaft verbannen.
Du konntest Dich nicht mehr damit ablenken,
und dich weiter um den Aufbau Deines Lebens kümmern,
wie Du es zuvor konntest.

Du wusstest von jenem Moment an,
dass nichts mehr so bleiben oder wieder werden würde,
wie es vorher war.
Doch Dein Schmerz,
er war groß und er ist´s bis heute.

Trotzdem, ich schweige nicht mehr,
überall bringe ich Dir Dinge,
welche Du nicht mehr übersehen kannst,
nicht überhören kannst.

Denn ich muss Dich erinnern und ich werde Dich erinnern,
egal was Du auch anstellst.
Ich bin ein Teil von Dir, in Dir,
wen oder was willst Du bekämpfen?

Es tut mir leid,
dass dieser Weg so schmerzlich für Dich ist,
doch wenn Du ihn einst angenommen hast,
mich angenommen hast,
dann wirst Du erkennen können,
was sich Dir jetzt noch entzieht.
Erst dann wirst Du begreifen,
weshalb alles genau so gekommen ist,
nur so geschehen konnte.

Ich, Deine Seele will nur Dein Bestes!

Du aber willst im Moment nicht Dein Bestes,
verwirrter, umherirrender Mensch,
der Du vergessen hast, wer Du in Wahrheit bist!

Du willst lediglich jenes nicht verlieren,
wofür Du hart gearbeitet hast
und womit Du viel Zeit verbracht hast.
Doch dein Bestes hast Du so verraten!
Dein Bestes bin ich in Dir, vereint mit Dir,
im Gleichklang, kraftvoll!

Erst an jenem Tage,
an welchem Du mich als Deine Führung anerkannt hast,
wirst Du neue Augen geschenkt bekommen, ein neues Leben!
Nicht mehr den Schätzern, Heuchlern und Flüsterern lauschen,
welche ihr eigenes Spiel spielten,
welche Dich dafür brauchten und benutzten!
Vorbei die Hektik einer verzweifelten Glückssuche
und äußerlichen Betäubung,
vorbei das besinnungslose Herumirren ….

Ich bin schon in Dir,
suchen musst Du mich nicht,
mich anhören, mich ernst nehmen,
mir meine Anerkennung zurückgeben,
mich respektieren, und erkennen als das Kraftvollste, was Du besitzt,
und was Du nicht erst mühsam außerhalb erzeugen müsstest.

Das ist Deine Aufgabe,
früher oder später wirst Du sie annehmen,
dafür sorge ich!

In tiefer Verbundenheit,
Deine Seele!

Bildquelle: pixabay

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Ein wirklich schöner Brief, der so viel Wahres spricht.

    Leider lernt man oft erst viel zu spät, dass man auf sein Bauchgefühl hören sollte – und dass man vor allem auf sich selbst hören sollte, anstatt auf die „guten“ Ratschläge und Lebensweisheiten von anderen. Am Ende ist man selbst schließlich derenige, der sein Leben leben und mit den Konsequenzen aus allen Handlungen klarkommen muss.
    Bei mir hat es viele Jahre und viele Abstürze gedauert, bis ich das begriffen habe. Seitdem bin ich zwar öfter mal alleine im Dunkeln unterwegs, weiß aber immerhin, dass dieses Alleinsein eine Nachwirkung meiner ganz eigenen Entscheidungen ist. Und ich finde am Alleinsein nichts Schlimmes, ganz im Gegenteil – ich genieße diese Auszeiten von der Welt und allem, was mich beschäftigt, belastet und meine Zeit raubt. „alone time“ wird meistens unterschätzt, dabei ist sie genauso wichtig wie Zeit mit Freunden und der Familie.

    Danke, dass Du diesen Seelenbrief mit Deinen Lesern geteilt hast. Vielleicht, hoffentlich öffnet er ein paar Augen.

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    • Du bist so mutig! 😉 – Ich bin zwar auch am Begreifen, dass es mein Leben ist und das es einmalig und nur einmal gelebt werden kann, merke dennoch noch zu oft, wie sehr ich mich beeinflussen lasse und Dinge mache, die ich so gar nicht wollte! Und vor allem ärgere ich mich, dass ich damals Wege eingeschlagen bin, nur weil es andere wollten bzw. erwarteten. Und daher die Frage – warum müssen wir erst auf die Nase fallen, ehe wir das erkennen?

      Dass alleine sein finde ich auch oft toll und vor allem habe ich gemerkt, wie sehr ich es brauche. Alleine ohne einsam zu sein ist schon nahezu ein Traum 😉

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