Depression

Depression – 13 Tipps, wie Angehörige helfen können

„Eine Krankheit macht uns alle hilflos – egal, ob man selber krank ist oder jemand, den man liebt.“, so sagt es der junge Hugo in der beeindruckenden Dramedy-Serie „Club der roten Bänder“. Wenn jemand mit Grippe oder einer Magenverstimmung im Bett liegt, dann ist es für Angehörige recht einfach, zu helfen: Sie kochen einen Tee, lassen demjenigen ein Bad ein oder bereiten etwas verträgliches zum essen zu. Bei „solchen Erkrankungen“ vertrauen wir Menschen auf den Rat des Arztes und unsere allgemeine Erfahrung. Wir wollen unseren Angehörigen pflegen und achten darauf, was dieser mag – sei es nun Fenchel- oder Salbeitee. Bei psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen sieht das ganz anders aus – es ist unvorstellbar, dass man wegen „sowas“ krank im Bett liegt. Zugleich wollen so viele helfen …

Depressionen – Wie kann ich Dir nur helfen?

Es ist allzu verständlich, dass wir einander helfen wollen und uns wünschen, dass es unserem Angehörigen bald besser geht. Denn natürlich ist es schwierig auszuhalten, wenn es Menschen schlecht geht, die wir lieb haben.

Doch oft geht die gut gemeinte Hilfe nach hinten los – es werden Tipps und Ratschläge gegeben, die es oft nur schlimmer machen. Die den Betroffenen oft nur unter Druck setzen.

Dabei brauchen wir Erkrankten und auch die gesunden Mitmenschen „einfach“ nur etwas Zeit.

Zeit, um erstmal den Umstand zu akzeptieren. Zeit, um anzunehmen, dass wir gerade nicht so viel (bzw. vielleicht gar nichts) tun können. Zeit, um zu lernen, wie wir mit der eigenen Hilflosigkeit umgehen können.

Ich selbst fühlte mich in Krisen oft sehr hilflos. Und ich weiß, dass meine Freunde und mein Partner auch oft hilflos waren. Doch dass sie das zugaben und mir offen sagten, dass sie nicht wissen, wie sie mir helfen können (es jedoch gerne täten), half mir mehr, als irgendwelche Tipps und Ratschläge zu bekommen. Dadurch waren wir auf einer Ebene.

Denn so eine geteilte Hilflosigkeit ist für mich auch ein Zeichen von Annahme und Verbundenheit gewesen. In dem wir einander unsere Hilflosigkeit in Bezug auf die Erkrankung akzeptieren lernten, konnten wir besser miteinander umgehen. In dem Punkt verstanden wir einander, wodurch Verständnis aufgebracht werden konnte.

Und dadurch konnten wir einander uns besser unterstützen. Denn es ist an und für sich okay und völlig legitim, hilflos zu sein. Auch wenn es kein angenehmes Gefühl ist.

Denn vermeintliche Hilfe mit Ratschlägen, was ich als Erkrankte tun und lassen soll, löst Druck in mir aus. Ich brauche niemanden, der mir sagt, was das beste für mich ist. Das erarbeite ich zusammen mit meiner Therapeutin. Das kommt aus mir selbst heraus. Dass „muss“ aus mir selbst herauskommen, damit es wirklich effektiv ist.

Wenn mir nahestehende Menschen jedoch zeigen, dass sie meine und ihre eigene Hilflosigkeit erstmal akzeptieren, dann hilft es mir, mich und meinen Zustand selbst zu akzeptieren. Ich muss nicht vehement dagegen ankämpfen bzw. mich verstellen – dass kostet nur Energie. Energie und Kraft, die ich brauche, um eine „wirkliche hilfreiche“ Lösung in MIR zu finden.

Depression – wie Du als Angehörige/r helfen kannst

Um es vorweg zu sagen: Auch wenn sich die Symptome einer Depression ähneln, so kann Hilfe nie pauschalisiert werden. Das, was dem einen gut tut, kann dem nächsten wieder schaden. Jede effektive Hilfe ist so individuell, wie die betroffene Person. So ist es völlig „normal“, dass man als Angehöriger hilflos und überfordert ist, wenn man jemandem in einer depressiven Krise helfen möchte.

Wie in so vielen Lebensbereichen, sind es die kleinen Dinge die zählen. Denn es bedarf gar nicht viel, um etwas Gutes und wirklich hilfreiches zu tun:

Ein ehrliches „Ich mag Dich“, einen frisch gekochten Tee, das Erledigen des Wocheneinkaufes, das Gießen der Blumen, etwas nettes kochen – mit solchen vermeintlichen Kleinigkeiten ist vielen Betroffenen im Alltag schon ein Stückchen geholfen.

Um noch mehr Ideen zu erhalten, fragte ich vor zwei Wochen meine Leser auf Facebook, was ihnen helfen würde und was jemand für sie machen könnte:

1. Sei einfach so gut es gerade geht für mich da, doch vergiss Dich nicht selbst dabei. Halt mir die Hand, knuddel mich mal – das tut gut, auch wenn es „nur“ in Gedanken aus der Ferne ist.

2. Hör mir zu, ohne für alles eine Lösung haben zu wollen. Ich möchte keinen Rat, sondern brauche jemanden, dem ich mich anvertrauen und auch mal ausweinen darf. Es ist ein großes Zeichen von Vertrauen, wenn ich Dir gegenüber Gefühle zeige. Ich möchte mich für meine Tränen oder Wut nicht schämen müssen.

3. Wenn ich noch keinen Arzt oder Therapeuten habe, dann hilf mir bitte bei der Recherche und dem Abtelefonieren. Vielleicht stehen auch andere Behördengänge an, wo ich Deine Unterstützung gebrauchen könnte.

4. Es ist mir eine große Hilfe, wenn wir zusammen einkaufen, gemeinsam schnell den Abwasch erledigen oder durchsaugen. Es sind die vermeintlichen Kleinigkeiten im Haushalt, die eine große Herausforderung für mich geworden sind und die ich alleine gerade nicht schaffe.

5. Auch wenn ich meine Tiere über alles liebe, so kann es sein, dass ich mich nicht angemessen um sie kümmern kann. Bitte geh mit ihnen Gassi, wasch ihre Kuschelsachen und kümmere Dich etwas um sie.

6. Über meine Probleme rede ich oft mit der Ärztin und Therapeutin. Manchmal möchte ich nicht mehr reden, sondern schweigen. Dräng mich nicht dazu, Dir irgendwas zu erzählen – lass uns gemeinsam schweigen und vielleicht auch in den Arm nehmen. Ungezwungen, doch geborgen. Es ist so schön, wenn ich in Deiner Gegenwart so sein darf, wie ich gerade bin.

7. Auch wenn es mir gerade alles andere als gut geht, so möchte ich gerne auch für Dich da sein. Das Gefühl, dass andere mich brauchen, ist ein sehr wertvolles Gefühl und mit dem was ich habe und kann, möchte ich auch für Dich da sein.

8. Ich erwarte nicht, dass Du mich verstehst – dass fällt mir selbst schwer und ich hoffe, Du hast den Anspruch nicht an Dich. Auch ohne das Verstehen kann man Verständnis aufbringen: Es hilft mir, wenn ich bei Dir ehrlich fühlen darf, dass Du mich so annimmst wie ich bin, dass Du mich liebst und beschützt.

9. Allein Deine Frage „Kann ich etwas für Dich tun“ empfinde ich als wertvoll. Du masst Dir nicht an, zu wissen, wie und was Du tun kannst und möchtest auf meine Wünsche eingehen. Oft habe ich keine Antwort, weil ich mich selbst so hilflos fühle. Und auch wenn ich es nicht zeigen kann, ein kleiner Sonnenstrahl im Herzen ist diese Frage schon. Sie lässt mich spüren, dass ich Dir wichtig bin.

10. Akzeptanz. Es ist hilfreich, wenn Du meine (Nicht-)Gefühle „einfach“ nur akzeptierst. Egal wie lächerlich die Gefühle oder die Gründe dafür in Deinen Augen sind. Aussagen wie „Stell Dich nicht so an.“, „Reiß Dich mal zusammen.“ oder „Anderen geht es viel schlechter.“ machen meine Situation viel schlimmer.

11. Es würde mir ungemein helfen, wenn ich weiß, dass Du mich in dem Moment der Krise so annimmst, magst und liebst, wie ich bin. Ich möchte darauf vertrauen können, dass Du dennoch immer für mich da bist – auf ehrliche Art und Weise.

12. Lass mich bitte in Ruhe, wenn ich diese gerade brauche. Zugleich bestärke mich, etwas zu unternehmen, denn manchmal ist Ablenkung das, was mir gut tun könnte. Ja, dass ist eine Gratwanderung. Doch bitte gib (mich) nicht auf.

13. Ich fühle mich oft sehr alleine und es wäre hilfreich, wenn Du mir das Gefühl vermittelst, eben nicht alleine zu sein. Natürlich kannst Du nicht den ganzen Tag mit mir verbringen und hast Dein eigenes Leben – doch das Wissen, dass ich Dich im Notfall jederzeit anrufen darf und Du für mich da bist, bedeutet mir sehr viel und gibt mir Sicherheit.Wie anfangs gesagt, tut jedem etwas anderes gut bzw. wünscht sich jeder etwas anderes. Dies kann niemand pauschal beantworten. Das wichtigste ist, dass man aufrichtig und ehrlich miteinander sprechen kann und sich gegenseitig in seinem Sein akzeptiert und respektiert.

Zudem gibt es nicht nur für Erkrankte Selbsthilfegruppen, sondern auch für Angehörige von Betroffenen. Auf der Seite von NAKOS, der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, kann jeder schauen, was es für Gruppen in seiner Nähe gibt.

Neben allen ehrlichen Taten und Hilfsangeboten freuen auch wir uns über das ein oder andere liebevoll und vielleicht anerkennende Wort. Auch dazu fragte ich auf meiner Seite mal in die Runde, wodurch der Beitrag „Sätze, die Du Depressiven sagen darfst“ entstand.

Wenn Du als Betroffener oder Angehörige weitere Ideen hast, wie man sich in Krisenzeiten einander unterstützen kann, dann schreibe mir doch gerne einen Kommentar. Ich freue mich darüber 😉

Bildquelle: pixabay.com

 

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Dies habe ich heute meinem Mann geschrieben nachdem ich diesen Blog hier gelesen habe!
    Er ist immer für mich da und ich bin mehr als dankbar dafür das ich einen solchen Menschen gefunden habe, einen Menschen den ich liebe noch bevor ich wusste wieviel Geduld und liebe er für mich aufbringen kann!

    Es ist nicht immer leicht mit mir, manchmal, aus heiterem Himmel geht es mir schlecht, ich selber kann keinen Grund erkennen und weiß beim besten Willen nicht wo es her kommt. Waren doch die Tage/Wochen zuvor so unglaublich unbeschwert und wunderschön.
    Auch wenn du diese Frage auch nicht beantworten kannst so machst du dennoch ALLES richtig! Eben weil du keine Antwort darauf bekommen willst, weil du zum Teil auch weißt das es keine Antwort gibt, das auch das eben Ich bin!
    Du setzt dich mit Taschenlampe und Decke zu mir auf den kalten Boden in der dunkelsten Ecke, zudem reicht du mir Deine Hand und wartest einfach so lange bis ich eines oder alles davon nehme! Manchmal sitzt du tagelang mit mir stillweigend so bis ich es endlich schaffe einen kleinen Schritt zu wagen um dann im schlimmsten Fall abermals zurück in meine Ecke zu kriechen! Aber auch dann gibst du mich nicht auf, sondern hältst mir Deine ehrlich gemeinte Hand entgegen!
    Dafür danke ich dir von Herzen, es gibt keine Worte die such nur in Ansätzen das beschreiben was ich dir sooo unglaublich gerne sagen möchten! Nur Danke
    Ich liebe dich von ganzem Herzen für immer und ewig

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.