Kinder

Die zurückgelassenen Kinder

Kennt ihr Gerhard Schöne? Dies ist ein Liedermacher aus Sachsen, der seit 1979 tolle Texte für kleine und erwachsene Kinder schreibt. Seine Musik ist aktuell und doch zeitlos, so auch das nachfolgende Lied, welches mich seit vielen Jahren und aktuell seit einigen Wochen wieder vermehrt begleitet …

Meine Lieder sollen Lebenszeichen sein. Sie sollen ansingen gegen alles, was Leben verhindern oder einschränken will. In uns und um uns herum.
~ Gerhard Schöne

Die zurückgelassenen Kinder – Vergesst ihr auch das Beste nicht?

Zwei Bauersleuten schenkte der Himmel ein Kind. Sonst aber hatten sie nicht viel zum Leben. Einmal als sie vom Feld nach Hause gingen, entdeckten sie eine Höhle, die sie zuvor nie beachtet hatten.

In der Höhle saßen kleine Wichte an einer langen Tafel, die zählten Gold. Die Bauersleute klagten den Wichten, dass sie nur das Kind und sonst nicht viel zum Leben hätten. Ob sie nicht etwas von dem Golde abbekommen könnten.

Darauf sagte eines der Wichte: „Kommt herein und was ihr nach draußen tragen könnt, gehört euch. Aber was ihr liegen lasst, das ist für uns.“

Die Eltern stiegen in die Höhle, sie legten ihr Kind auf den Boden und füllten sich die Taschen ihrer Kleider und Schürzen voller Gold, bis sie ganz krumm gingen. Und als sie damit hinausgehen wollten, fragte eines der Wichte: „Seid ihr sicher, dass ihr genug habt? Vergesst ihr auch das Beste nicht?“

Die beiden, indem sie Angst hatten, es könne ihnen wieder etwas genommen werden, antworteten: „Nein, nein, wir sind schon zufrieden.“ und traten schnell ins Freie.

In dem Moment schnappte das Schloss hinter ihnen zu.

Manchmal höre ich sie grölend durch die Häuserschluchten ziehn,
Manchmal seh‘ ich sie an Wände ihre Höhlenzeichen sprühn.
Manchmal fallen sie wie Wölfe über Unschuldslämmer her,
Die zurückgelassnen Kinder, Schnauze voll und Augen leer.

Ihre Eltern aber sagen, wenn sie krumm gehen nach Gold:
Wir tun’s nur für unsre Kinder! Hab`n das Beste nur gewollt!

Hinter Flipperautomaten spielen sie ums kleine Glück,
Blättern lustlos in den Pornos, immer Traurigkeit i’m Blick.
Ein Gefühl, beinah wie Hunger oder Heimweh, das sie packt,
Die zurückgelassnen Kinder, ungetröstet, splitternackt.

Hilflos rufen ihre Eltern, doch die Drähte sind gekappt.
Sie war’n grade so beschäftigt, als die Türe zugeschnappt.

Manche gehen langsam unter, andere steigen auf im Nu,
Drücken dir als smarte Herren skrupellos die Kehle zu.
Kein Gewissen kann sie bremsen bei der Schlacht ums große Geld,
Die zurückgelassenen Kinder, die sich rächen an der Welt.

Bildquelle: pixabay

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