Sorgenpüppchen

Sorgenpüppchen und der Schrecken der Depression

Der heutige Gastbeitrag stammt von Yvonne, welche auf Limalisoy über ihr Familienleben bloggt. Dies ist ja nicht so mein Thema, doch Yvonne leidet auch unter Depressionen und schreibt offen darüber. Als ich ihren Beitrag „Ein Leben mit Depressionen“ las, war mein Interesse also geweckt.

Yvonne von Limalisoy

Yvonne von Limalisoy

Und so kamen neben vielen kreativen Bastelanleitungen für Kinder und Alltägliches aus dem Familienleben immer wieder mal Artikel in der Kategorie Depression, wo sie authentisch über ihre Erfahrungen, Klinikaufenthalte und Therapie schrieb. Im nachfolgenden Beitrag erzählt sie, wie sie und ihre Tochter in einer depressiven Phase miteinander umgingen und was ihnen beiden half:

Wie ein Sorgenpüppchen den Schrecken der Depression milderte

Wie ein Mahnmal liegt das kleine Püppchen schon seit vielen Monaten auf meinem Schreibtisch. Jeder seitliche Blick streift es und erinnert mich daran, dass ich dazu noch einen Beitrag schreiben wollte.

Ein Sorgenpüppchen als Trostpflaster

Vor vielen Monaten schrieben Nora und ich hin und her. Dabei hatte ich die Idee, einen Beitrag für ein Sorgenpüppchen zu schreiben. Für Nora war das anfangs etwas fremd, aber für mich bekam das Ganze eine Eigendynamik. Denn das Sorgenpüppchen ist für mich ein Symbol – ein kleines Etwas, das mit seiner ganz eigenen Geschichte aber eine tiefere Bedeutung für mich hat.

Einst gab es diese kleinen menschlichen Figuren, die in den Naturvölkern Südamerikas als kleines Trostpflaster verteilt wurden. Dort wurden sie Kindern geschenkt, um ihren Kummer zu lindern, wenn sie ihnen nur ihre Sorgen anvertrauen würden. Das Leben wäre so einfach, wenn es nur wahr wäre. Einmal die Sorgen auf das Püppchen abladen, unters Kopfkissen legen und am nächsten Tag sind die Sorgen im Traum verflogen. In der Realität sieht es ja leider ganz anders aus. Dennoch hat es mir und meiner Tochter in den dunklen Zeiten ein wenig Licht gegeben.

Und die vormals heile Welt gerät ins Wanken

Als ich damals zusammengebrochen und in die Klinik gekommen bin, ist auch für meine kleine Große eine Welt aus den Fugen geraten. Mit sechs Jahren verstand sie schon zu viel und doch zu wenig, um dem Schrecken des Ganzen Herr werden zu können. Für sie brach vor ihren Augen die Mutter zusammen, konnte nicht mehr richtig reden und wusste nicht mehr, was sie tun soll. Ihre Mutter, die sonst auf alle Fragen eine Antwort wusste, konnte auf einmal nur noch auf dem Boden liegen und weinen. Meine Kleine war verwirrt, hilflos und wollte nicht von meiner Seite weichen. Es war schrecklich!

Mit einem Mal stand die Welt still und als sie sich dann wieder weiter drehte, war nichts mehr wie es vorher war.

Bye, bye Supermom

Während eine Nachbarin meine Tochter in die Schule und die Kleinste in die Krippe brachte, weinte ich und hockte noch lange zusammengekauert auf dem Boden. Meine Fassade war kaputt – Supermom war Geschichte. Ich konnte nichts mehr! An diesem Tag ging ich zum Arzt. Nur drei Wochen später war ich in einer Klinik. Obwohl ich nur wenige Kilometer von daheim entfernt war, war ich für meine Kinder meilenweit weg. Der Große setzte es so sehr zu, dass sie in der Schule weinte und großen Kummer hatte.

Bei unserem ersten Wiedersehen in der Klinik ließ sie mich kaum los und stellte tausend Fragen. Sie dachte auch, dass ich bald nach Hause kommen würde. Doch das war nicht möglich. Es brach mir das Herz, sie so traurig zu sehen – denn ich war ja ebenfalls hilflos. Ich konnte nichts für sie tun. Immerhin musste ich selbst gesund werden.

Das Sorgenpüppchen als Symbol

In einer der zahlreichen Gesprächsrunden machte ich diesen Kummer zum Thema und bekam ein Sorgenpüppchen. Zunächst belächelte ich es, doch dann erkannte ich den Gewinn, das so ein kleines Püppchen mit sich bringen kann. Beim nächsten Familienbesuch gab ich meiner Tochter dieses Püppchen und sprach mit ihr darüber, dass ich mir das Püppchen mit meinen Sorgen unter das Kissen gelegt hatte. Ich erzählte ihr, dass meine Sorgen nun kleiner wurden und das Püppchen nun für ihre Sorgen bereit wäre. In dem Moment rannen ihr kleine Kellertränen über die Wangen und sie wollte mich kaum loslassen. Doch das Püppchen nahm sie mit nach Hause und hat es auch heute noch.

Für uns beide ist es ein Symbol geworden. Es erinnert uns an die schwere Zeit, die wir gemeinsam überwunden haben.

Verschenke ein persönliches Püppchen

Vielleicht kennst du auch eine ganz besondere Person, der du ein persönliches Püppchen schenken möchtest. Mit der folgenden Anleitung kannst du ganz einfach selbst ein Püppchen basteln. Schenke es zusammen mit ein paar warmen Worten einer Person, deren Sorgen so groß sind, dass sie kaum überwindbar erscheinen. Denn manchmal bedarf es nur solch einer kleinen Geste, um Großes zu bewirken oder um den dunklen Dämonen ihren mächtigen Schatten zu nehmen.

Material: (eine) Holzperle, (etwas) Klebeband/Tesafilm, (eine) Schere, ein kleines und ein großes Stück Pfeifenputzer/Pfeifenreiniger, (etwas) Wolle, (einen) Stift/Filzstift

Als Erstes fädelst du die Holzperle auf das große Stück Pfeifenputzer:

Danach verdrehst du den Pfeifenputzer unterhalb der Perle, so dass ein kleiner Hals entsteht:

Als Nächstes drehst du das kleine Stück Pfeifenputzer (mittig) um den Hals, damit du zwei Arme bekommst:

Wenn du damit fertig bist, biegst du die Enden der Beine zur Seite, so dass dein Püppchen zwei Füße hat. Dann klebst du das Klebeband um den Körper:

Im Anschluss wickelst du die Wolle um das gesamte Püppchen. Zum Schluss zeichnest du mit dem Stift ein Gesicht auf die Perle:

©Text, Anleitung und Fotos von Yvonne

Bist Du auch Mama und leidest unter Depressionen? Wie hast Du Deinem Kind erklärt, was mit Dir los ist? Welche Hilfsmittel unterstützen Euch? Ich freue mich auf einen Kommentar von Dir 😉

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Mit jüngeren und pubertären Kindern über Depressionen reden

  2. Hallo
    Ich wollte hier erstmal für diesen tollen Beitrag danken . Ich kann komplett nachempfinden u mir ging es genau so wie dir ! Meine Tochter 3 jahre musste es auch sehen wie es Mama immer schlechter geht 🙁 ich bin jetzt seit 4 Wochen in einer Klinik fühle mich besser aber immer noch nicht wie die tolle super Mama von damals . Meine Tochter kommt mich besuchen und reagiert genau so ! Ich erkläre ihr immer wieder das die Mama müde ist und sich hier ausruhen muss u ein Arzt hier ist . Sie weint sehr viel im Kindergarten hat Alpträume u sagt das sie mich schrecklich vermisst . Ich war sonst immer mit ihr allein u wir haben alles zusammen gerockt doch nun muss sie mich so sehen es zerreißt mir das Herz nicht mehr stark zu sein u für sie da zu sein , ich fühle mich als schlechte Mutter obwohl ich nix weiter will wie mit ihr gemeinsam wie früher die Welt zu rocken ! Ich finde es eine super Idee mit der Puppe u hoffe wenn ich es versuche das mein Kind dies auch über den Schmerz hilft .

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