Gesundheit

Was bedeutet psychische Gesundheit?

Mich beschäftigt die Frage, was ich von meiner Therapie erwarten darf. – Werde ich jemals gesund sein? Was bedeutet für mich psychische Gesundheit? Wie sähe mein Leben aus, wenn ich frei von Depressionen, Ängsten und Symptomen der Borderline- Persönlichkeitsstörung wäre?

– MEIN LEBEN IN DER ZUKUNFT. PSYCHISCH GESUND. –

Mein Leben ist meines und nicht das der anderen

Ich stehe zu meinen Wünschen, achte diese und kann sie äußern. Ich habe Träume und setze alles daran, diese auszuleben, anstatt sie von anderen Menschen oder eigenen Selbstzweifeln kaputt machen zulassen. Ich habe einen Plan, ein Ziel für mein Leben und traue mir Herausforderungen zu. Diese gehe ich an, ohne dass mir meine innere Stimme einredet, was ich doch alles nicht kann.

Ich habe ein angemessenes Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.

Frei von zermürbenden Ängsten und Sorgen

Mein Partner ist abends alleine unterwegs, doch in meinem Kopf ist kein Chaos an Sorgen los, was doch alles an Unfällen und Überfällen passieren könnte. Ich kann den Abend alleine in Ruhe verbringen ohne nervenaufreibende Was-wäre-wenn-Gedanken.

Wenn ich meine Tiere ansehe, dann mit erfreutem Herzen, dass sie bei mir leben und es ihnen gut geht. Ich weiß, dass sie einmal sterben werden, doch ich verzweifle nicht schon jetzt daran. Ich lebe den Augenblick mit ihnen.

Auch kann ich die Wohnung entspannt verlassen, ohne nochmal alle Türen, Fenster und elektrischen Geräte zu überprüfen. Ich gehe ruhigen Gewissens aus dem Haus, ohne das beklemmende Gefühl, dass dort in meiner Abwesenheit meinen Haustieren etwas passieren könnte. Wenn ich auf der Straße bin, gehe ich mit einem regelmäßigen Herzschlag weiter meinen Weg, ohne nochmal in die Wohnung zurückzukehren, um nochmal alles zu kontrollieren.

Auf der Straße mit all den Menschen – und ich bin entspannt

Die Blicke der Leute verunsichern mich nicht, weil ich weiß, dass sie mich nicht mustern oder schlecht beurteilend über mich denken. Sie sehen mich ja nur kurz an, so wie ich andere kurz ansehe, um ihnen nicht auf die Füße zu latschen. Mir macht es auch nichts aus, in einem vollen Bus zu fahren. Ich genieße es nicht unbedingt, doch ich habe kein Herzrasen, keine Atemprobleme und mir wird nicht unverhofft schlecht und schwarz vor Augen.

Wenn (fremde) Menschen mich berühren, dann zucke ich nicht mehr erschrocken zusammen. Ich weiß, dass es gerade unter Menschenmassen mal zu unabsichtlichen Berührungen kommen kann. Doch diese triggern mich nicht mehr.

Im Umgang mit anderen Menschen bin ich selbstsicher und selbstbewusst. Klar und deutlich traue ich mich zu erzählen, was ich zu sagen habe. Ich habe keine Angst mehr davor, dass ich dummes Zeug rede oder mich blamiere. Während des Gespräches beobachte ich mich nicht aus den Augen meines Gegenübers und werte mich ab. Ich fühle mich ihm gegenüber gleichberechtigt und ebenbürtig und nicht minderwertig und klein. Dass er mich anschaut, zeugt von Interesse und nicht von Abwertung. Ich habe keine Angst vor meinem Gegenüber und deute auch neutrale Verhaltensweisen nicht mehr als Kritik oder Ablehnung.

Nein, ich gehe soziale Kontakte ein, ohne Angst vor Kritik, Ablehnung oder Zurückweisung

Mit Kritik kann ich sogar umgehen – ein Lob nehme ich gerne an anstatt es zu hinterfragen und zu bezweifeln. Auch eine Beanstandung reißt mir nicht mehr den Boden unter den Füßen weg. Ich nehme diese nicht persönlich, sondern als Rat, etwas besser zu machen. Und Konfliktgespräche scheue ich nicht, weil ich weiß, dass, was ich zu sagen habe ist gerechtfertigt. Ich darf meine eigene Meinung haben und vertrete diese.

Im Umgang mit mir selbst bin ich geduldig. Ich muss nicht alles gleich sofort und perfekt können. Wenn mir ein Fehler unterläuft, bedeutet dies weder das Ende der Welt noch dass ich dumm und unnütz bin. Ich weiß, dass auch ich es nochmal probieren kann und darf.

Die wichtigsten Erwartungen sind die, die ich an mich habe

Ich habe gelernt, „Nein“ zusagen, wenn ich etwas nicht möchte oder mir etwas nicht passt. Ich kann und darf dazu stehen, dass mir etwas nicht gut tut. Mein „Nein“ darf gesagt und gehört werden. Ich kann somit auch Grenzen setzen und versuche nicht, es allen in meinem Umfeld recht zu machen, nur um deren Erwartungen zu erfüllen.

Ein schiefer Blick verunsichert mich nicht mehr so stark, dass ich an mir und meinem Handeln zweifle. Ich erkenne Sarkasmus und Ironie und nehme es nicht als persönlichen Angriff wahr. Unkonkrete, vage Aussagen wie „Kann ich Dich mal was fragen?“ lösen in mir kein Herzrasen und keinen nicht enden wollenden Gedanken-Kreislauf mehr aus. Ich frage mich deswegen nicht mehr, ob ich was falsches gesagt oder getan habe und ob der andere auf mich sauer ist.

Anderen Menschen vertrauen

Mit meinen Freunden kann ich ganz normal etwas unternehmen und dies auch genießen. Ich fühle mich nicht ständig angespannt, nervös und ihnen gegenüber minderwertig. Ich weiß, dass meine Freunde in mir das sehen, was ich bin – nicht mehr und erst recht nicht viel weniger. Sie kennen meine Fehler, doch ich fühle mich wegen dieser nicht verurteilt. Ich weiß, dass meine Freunde vor allem meine positiven Charaktereigenschaften in mir sehen und mich wegen dieser schätzen.

Ich traue mich auch, Freunde zu fragen, ob sie Zeit und Lust haben, mit mir etwas zu unternehmen. Wenn sie keine Zeit haben, dann nehme ich das nicht sofort persönlich und unterstelle ihnen, dass sie nur mit mir nichts unternehmen wollen. Ich warte ihre Begründung ab und zweifle diese nicht an.

In der Beziehung zu meinem Freund vertraue ich darauf, dass er mit mir zusammen ist, weil er mich liebt und nicht, weil er nur aus Mitleid noch nicht mit mir Schluss gemacht hat. Mit ihm kann ich nun viel mehr unternehmen, weil ich angstfreier bin und mich außerhalb unserer Wohnung nicht mehr so krass unwohl und unsicher fühle.

Wenn mein Partner mal schlechte Laune hat, dann beziehe ich das nicht gleich auf mich. Ich weiß, dass schlechte Laune nicht grundsätzlich etwas mit meiner Person zu tun hat. Und wenn er mir sagt, dass es wegen der Arbeit, dem Wetter oder dem schalen Bier ist, dann glaube ich ihm und bezweifle seine Aussage nicht.

Mit ihm kann ich auch weiterhin über meine Probleme und Herausforderungen reden – ich brauche ihn jedoch nicht alle 10 Minuten fragen müssen, ob ich ihn damit nerve. Ich sehe mich nicht mehr als Last für ihn. Unabhängig davon muss ich mich nicht mehr andauernd bei ihm rückversichern, ob alles okay ist, nur weil er mal nicht lachend durch die Wohnung hüpft.

Auch mein Freund kennt, wie meine besten Freunde, meine Schattenseiten und meine Fehler, doch ich weiß, dass er mich wegen dieser nicht abwertet. Auch fühle ich mich ihm gegenüber nicht minderwertiger und kleiner als er, nur weil er einen geraden Lebenslauf hat, beruflich erfolgreich ist und keine Probleme mit sich und der Welt hat. – Gott sei Dank hab ich die ja auch nicht mehr 🙂 !

Empathie – ja, Selbstvernachlässigung – nein

Insgesamt bin ich besser für meine Freunde da und habe ein offenes Ohr für ihre Anliegen und Probleme. Doch ich habe gelernt, mich abzugrenzen und nicht ihre Probleme zu meinen zu machen. Ich schaffe es, auf meine Belastungsgrenze zu achten und vernachlässige mich nicht selbst.

Die Abgrenzung funktioniert auch gut gegenüber fremden Menschen – Nachrichten über Unfälle, Krieg und Entführungen lassen mich nicht kalt, doch sie verfolgen mich auch nicht mehr die nächsten Wochen in meinen Träumen.

Psychisch gesund sein bedeutet leider nicht, dass kranke Beziehungen auch automatisch gesund sind

Die Beziehungen zu manchen Menschen in meinem festen Umfeld ist nicht gesund. Doch ich bin in mir stark und gefestigt, sodass mich ihre Verhaltensweisen oder Aussagen nicht mehr so stark emotional verletzen. Sie geben mir weiterhin das Gefühl, dass ich nicht „richtig“ bin, doch ich weiß für mich selbst, dass ich „richtig“ bin.

Ihre Art, wie sie mein Handeln und Denken kritisieren und ablehnen, wie sie meine Gefühle nicht respektieren und wie sie mir zeigen, dass ich nicht ihren Erwartungen entspreche, geht gewiss nicht kalt an mir vorbei – doch ich habe gelernt, damit umzugehen. Die Liebe und Fürsorge, die ich so viele Jahre verzweifelt mir gewünscht habe, suche ich nicht mehr vergeblich bei ihnen.

Ich kann mich nun um mich selbst kümmern, mir selbst Liebe und Fürsorge geben – ich habe mich von diesen Menschen abgegrenzt und bin auch emotional ein eigenständiger Mensch. Ich fühle mich nicht mehr verantwortlich für ihre Gefühle.

Ich habe ein Gefühl – doch ich bin kein Gefühl

Ich kann an die Gräber von geliebten Menschen gehen. Ich spüre meine Traurigkeit, aber sie umhüllt mich nicht mehr wie ein schwerer Mantel, der mich zu Boden drückt. Ich erinnere mich der schönen Zeiten mit den Verstorbenen, spüre aber nicht mehr das Bedürfnis, ihnen sofort folgen zu wollen. Ich kann am Grab stehen und ihrer gedenken, ohne mich selbst in meiner Trauer zu verlieren.

Meine Gefühle erkenne ich, kann sie benennen und sogar rauslassen. Sie überfluten mich nicht mehr. Meine Wut steigt nicht von Null auf Hundert und klemmt in mir, sondern ich merke rechtzeitig, wenn mich etwas stört und nervt – und kann es aussprechen. Meine Traurigkeit lähmt mich nicht mehr und lässt mich auch nicht mehr in ihr ertrinken. Ich verdränge meine Gefühle nicht.

Nein, meine Gefühle dürfen da sein. Und weil ich sie annehmen kann, verspüre ich in mir auch nicht mehr diese unsagbare Leere und den Druck, der mich zur Selbstverletzung drängt.

Ich fühle mich nicht mehr grundlos schuldig. Für das, was ich sage, denke und tue bin ich verantwortlich, aber ich muss mich dafür nicht entschuldigen, wenn es richtig ist. Ich gebe mir auch nicht mehr die Schuld dafür, dass ich geboren wurde und meine Eltern deswegen Stress und Probleme hatten, nur weil ich kein geplantes Kind bin. Ich weiß, dass ich dafür nun wirklich nichts kann. Mein Leben ist trotzdem wertvoll.

Nach einem anstrengenden Tag fühle ich mich müde und erschöpft, ja, doch bin ich nicht mehr grundlos energielos, kraftlos oder antriebslos. Ich habe einen gesunden, ungestörten Schlaf und fühle mich ausgeruht und entspannt, zumal ich nachts nicht mehr von Albträumen von traumatischen Erlebnissen aufwache.

Themen, die schwer und belastend für mich sind, führen mich nicht mehr in dissoziative und derealisierende Zustände.

Ich lebe mehr im Hier und Jetzt

Die Vergangenheit hat nicht mehr so einen starken Einfluss auf mein Jetzt. 

Ich bin mehr glücklich als traurig, ich lache mehr als das ich weine. Ich freue mich auf den nächsten Tag, den ich leben darf und nicht auf den Tag, an dem ich sterben werde.

Ich achte und respektiere mich – Ich bin mir wichtig.

Ich liebe mich – so wie ich bin.

Ich bin nicht mehr in mir selbst gefangen – Ich bin frei.

Ich existiere nicht – ich lebe!

Was ändert sich bei Dir, wenn Du einmal psychisch gesund wärst? Ich freue mich auf einen Kommentar von Dir!

Bildquelle: pixabay

 

 

 

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Wunderbare Worte, wunderbare Ziele!
    Alles Gute auf deinem Weg dahin!
    wir schaffen das..!
    Danke fürs Erinnern <3

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  2. Wow.

    Alles, was ich bisher von dir gelesen habe, finde ich total beeindruckend.
    Aber das hier, das beeindruckt mich gerade eigentlich am meisten.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für deinen weiteren Weg!
    Ich bin mir sicher, dass du deine Ziele irgendwann erreichen wirst
    und du kannst wirklich stolz auf all das sein, was du bereits erreicht hast.
    Lass dich von etwaigen Rückschlägen nicht aus der Bahn bringen.

    Liebe Grüße.

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    • Liebe Lu,

      vielen Dank für Deine lieben Worte!

      Ja, vielleicht, nein sicher habe ich schon einiges erreicht – nur dieser Beitrag ist „nur“ eine Zukunftsvision, wie es denn mal bei mir aussehen könnte! Erreicht habe ich das leider noch nicht. (Ich weiß nicht, ob das so rüberkommt?) Aber ich arbeite daran und versuche, auch die kleinen Fortschritte wertzuschätzen!

      Ich wünsche Dir viel Kraft für Deinen weiteren Weg,

      liebe Grüße,

      Nora

      Antworten

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