Psychotherapie – Das passiert beim Erstgespräch.

Psychotherapie

Ganz ehrlich – ich war mega aufgeregt, als ich vor ca zwei Jahren den ersten Termin bei meiner jetzigen Psychotherapeutin hatte. Trotz dessen, dass dies nicht mein erstes Erstgespräch war. So unangenehm dieses Gefühl auch ist, es lässt sich wohl nie so ganz vermeiden. Immerhin reden wir da mit erstmal fremden Menschen über total intime Dinge, Erlebnisse, Gefühle – wenn auch nicht gleich in der ersten Stunde. Die Angst oder Nervosität vor dem Erstgespräch in der Psychotherapie kann ich Dir nicht nehmen. Möchte ich auch nicht, denn sie kann durchaus ein hilfreicher Ratgeber für Dich sein. Aber ich erzähl Dir nachfolgend mal, was Dich im Ersttermin erwartet.

Psychotherapie – Das passiert beim Erstgespräch


Zunächst einmal ist es super, dass Du Dir Hilfe gesucht hast. Das ist für viele Menschen schon eine große Herausforderung – sei es, weil die Wartezeiten abschreckend sind oder weil man Angst vor solchen Gesprächen hat. Beides ist völlig normal.

Vermutlich wird auch Dein Termin maximal 50 Minuten dauern. Hier geht es darum, sich einander erst einmal kennenzulernen. Das bedeutet, Du musst nicht gleich alles komplett und detailliert erzählen. Der Fokus liegt eher darauf abzuchecken, ob Du Dir vorstellen könntest, Dich ihm oder ihr mehr anzuvertrauen, um mit ihm/ihr an Deinen Schwierigkeiten zu arbeiten.

Dieses Kennenlernen erfolgt auf beiden Seiten und der Therapeut bzw. die Therapeutin wird Dir einige Fragen stellen. Meistens geht es so in folgende Richtung:

  1. Was führt Sie zu mir?
  2. Was sind Ihre aktuellen Symptome bzw. Beschwerden?
  3. Welche Probleme bzw. Schwierigkeiten haben Sie?
  4. Was sind Ihre Ziele in der Psychotherapie?

Meistens lassen der oder die Therapeut:in einen frei erzählen lassen und ggf. nachfragen. Es geht jedoch nicht um Details oder Ursachen oder so. Und Du musst auch nicht alle Fragen beantworten, wenn es für Dich zu früh ist. So etwas darfst Du offen sagen.

Wenn Du Dich mit dem Termin schwer tust und es Dir schwer fällt, Dich zu öffnen, kannst Du das ihr bzw. ihm ebenfalls offen sagen. Manchmal ist es hilfreich, in die sogenannte Meta-Kommunikation zu gehen – also in dem Fall, über das Gespräch zu erzählen bzw. was dieses in einem selbst auslöst oder welche Sorge man hat. Manchmal kann das schon mit der Erkrankung/Symptomatik zusammenhängen und es ist eine hilfreiche Information mit der/dem Psychotherapeut:in.

Die ersten Kennenlerntermine sind auch dazu da, damit Du herausfinden kannst, ob Du Dich ihm oder ihr gegenüber öffnen könntest, um über Deine persönlichsten Gefühle und Gedanken zu sprechen. Vielleicht hilft es Dir, Dir vorab ein paar Notizen zu machen, so dass Du weißt, was Du sagen möchtest. 

Ich selbst hatte oftmals eine Art Blackout, weshalb ich mir dann später – oder auch heute noch – Stichpunkte oder konkrete Fragen/Gedanken aufschreibe. So habe ich sie direkt zur Hand, vergesse nichts und das Aufschreiben entlastet auch meinen Kopf und befreit mich etwas vom Grübeln.

Übrigens kannst auch Du dem Psychotherapeuten bzw. der Psychotherapeutin Fragen stellen, um mehr über ihn/sie zu erfahren. Zum Beispiel:

  1. Was sind Ihre Erfahrungen mit meinem Krankheitsbild?
  2. Wie ist Ihr therapeutisches Vorgehen?
  3. Wie wird der Ablauf der Sitzung sein?
  4. Entstehen Kosten für mich oder sind Sie berechtigt, mit meiner Krankenkasse abzurechnen?

Und natürlich kannst Du ihn/sie noch sämtliche andere Fragen zum Krankheitsbild oder dem therapeutischem Vorgehen fragen – was Dich eben so beschäftigt. 

In Deutschland sind vier sogenannte probatorische Sitzungen (Probesitzungen) vorgesehen, ehe ein Antrag auf Psychotherapie gestellt wird. Diese vier Termine dienen dem Kennenlernen und danach darfst Du als auch der/die Therapeut:in entscheiden, ob ihr zusammen arbeiten wollt/könnt oder eben nicht.

Ich fand es hilfreich, mir auch hier im Nachhinein Notizen zu machen – dazu, was ich eben dachte, aber auch fühlte. Auf das eigene Bauchgefühl zu hören, kostet oftmals Mut, ist aber ebenso oft ein gute Unterstützung. Gerade dann, wenn man sich in Gegenwart des Menschen eher unwohl fühlte und dies nicht allein an den schwierigen Themen lag, die man besprach.

Dir steht es frei, so viele Therapeut:innen wie möglich zu kontaktieren und Erstgespräche zu vereinbaren. Wobei hier ein gesundes Mittelmaß wohl hilfreich ist. Also, rein theoretisch kannst Du zwar jeden Tag woanders so einen Termin wahrnehmen, aber das kann auch ganz schön überfordernd werden.

Wenn Du jetzt denkst: „Ja, schön und gut, aber ich brauche ja erstmal so einen Termin zum Erstgespräch.“ – dann schau mal hier: 9 Tipps zur Therapieplatzsuche

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und alles Gute!

Schreibe mir gerne einen Kommentar mit Deinen Erfahrungen eines Erstgesprächs bzw. Tipps dazu, die Du teilen magst.

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