Depression

Depression – Modewort, Volkskrankheit, TABU-THEMA

Vor einigen Wochen zeigte ich in den sozialen Netzwerken Gesicht und stand zu meinem Blog, vor allem stand ich aufrichtig zu MIR. Auch auf meinem ganz, ganz privaten Facebook-Account, wo ich mit mehreren Personen von „früher verbunden bin, bekannte ich mich zuerst zu meiner Depression und deren Anhängsel, vor kurzem auch zu meinem Blog.

Ich bin nicht eingebildet – mich gibt es wirklich!

Depression – darüber spricht man nicht!

In den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten gab es so oftmals so abwertende Reaktionen auf meine Erankung, weshalb ich mich in meinem Sein nahezu immer versteckte.

Es waren Reaktionen von Ärzten, die mich verstörten. Reaktionen von mir eigentlich nahestehenden Menschen, die mein Empfinden des Anders-und-Verrückt-Sein maßlos fütterten. Reaktionen seitens Mitarbeiter von Ämtern und Einrichtungen, auf die ich zwischenzeitlich angewiesen war, die mir unverblümt mitteilten, wie unfähig ich für diese oder jene Tätigkeit sei.

Diese Verhaltensweisen verstärkten meine Ängste vor weiterer Ausgrenzung, erneutem Mobbing, verstärkten die Scham für mich selbst. Es gibt zig Gründe dafür, weshalb ich schweigend lächelte, während es in mir laut schrie. Schließlich redet man über „sowas“ nicht so einfach.

Depressionen, Angststörung oder Suizidgedanken das sind keine „normalen“ Themen, die zu Kaffee und Kuchen passen. Doch wozu passen sie in unserer Gesellschaft überhaupt?

Warum hat sie nicht gesagt, dass sie Depressionen hat?

Sie tat es.
Sie tat es, wenn sie sich tagsüber in ihr Zimmer flüchtete.
Siue tat es, wenn „die Katze“ sie wieder häufiger kratzte.
Sie tat es, wenn sie stundenlang duschte und mit verquollenen Augen raus kam.
Sie tat es, wenn der Wein in der Vorratskammer weniger wurde.
Sie tat es, wenn sie wieder, wie so oft, keinen Hunger hatte und die weiten Sachen anzog
Sie tat es, wenn sie nachts mit angeschaltener Lampe schlief.
Sie sagte es so oft.
Das Problem daran ist, Depressionen sind leise – und niemand hat hingehört.
~ Symphonee Deia

Seit 3,5 Jahren „rede“ ich hier öffentlich von mir, meinen depressiven Krisen, von selbstzerstörerischen Gedanken, von ambivalenten Gefühlen – von MIR und MEINEM Leben. Drüber reden – so naheliegend, so einfach, so unfassbar schwer.

Mir hat das „drüber reden“, der Austausch in Offline- und Online-Selbsthilfegruppen sehr geholfen. Viel mehr, als ich vor knapp vier Jahren dachte. Es bestärkte mich, mich nach und nach anderen Leuten gegenüber mehr zu zeigen, wodurch ich auch bestärkende Rückmeldung erhalten durfte.

Vor allem zeigte es mir, dass ich eben NICHT alleine bin! Aktuell haben wir in Deutschland ca. 5 Millionen Menschen, die mit einer Depression zu kämpfen haben. Ein Teil dieser Menschen liest meine Beiträge, kommentiert diese oder schreibt mir private Nachrichten. Dadurch zeigen wir EINANDER, dass niemand von uns alleine ist.

Nun, neulich hab ich also Gesicht gezeigt – die ambivalenten Reaktionen der mir meistens fremden Menschen, die mich einfach nur aus dem Internet bzw. dem einen Post kennen, brachten auf den Punkt, was unterschwellig überall so durch die Luft schwirrt:

Depression und andere psychische Erkrankungen sind Modeworte, Volkskrankheiten und sie sind – bei aller Aufklärung im 21. Jahrhundert – nach wie vor Tabu-Themen.

In meinem unmittelbaren Bekannten- und Freundeskreis durfte ich viel Offenheit und ehrliches Interesse wahrnehmen. Einige von ihnen mussten selbst Erfahrungen in dieser Hinsicht machen, manchmal auch aus zweiter Hand, also als Angehörige.

Doch noch immer gibt es Menschen, die Depressionen und andere als psychische Erkrankungen als Mythos sehen, der mit einem auf die Schulter klopfenden „Nun reiß Dich einfach zusammen!“ verschwindet. Aussagen, dass Depressive (in dem Fall ich), einfach nur ein „wohlstandsverwöhntes Gör“ seien, verfehlen ihr angesteuertes Ziel, Depressionen wegzureden – dadurch wird die Symptomatik nur verstärkt.

Ja, es ist ein Teufelskreis – Wegreden verschafft kurzfristig Erleichterung und verdrängt die Problematik, während der Druck und die Symptomatik bei Erkrankten ins Unermessliche steigt. Wir schwanken zwischen der Volkskrankheit und dem Tabu-Thema. Zwischendurch hat jeder mal ne Depression, so leichtfertig wird die Erkrankung inflationär benutzt. Schließlich hat auch jeder mal nen schlechten Tag …

Einem Depressiven zu sagen, dass man auch manchmal schlechte Laune hat, ist genauso verletzend wie einem Patienten mit einem Gehirntumor zu sagen, dass man auch manchmal Kopfschmerzen hat …

Wie kann ich auf mehr Enttabuisierung hoffen, wenn ich selbst zu einer Tabuisierung beitrage, indem ich mich verstelle und verstecke?

Mein öffentliches Schreiben war ein wesentlicher Schritt in meinem Genesungsprozess und ungeplant auch einer, um die Enttabuisierung dieser Thematik zu unterstützen. So werde ich weiter öffentlich drüber schreiben und auch reden . mein erster wichtiger Rede-Beitrag ist mein Bekennervideo mit Bento zum Thema „Selbstverletztendes Verhalten“

Die Stigmatisierung psychisch Erkrankter und deren Angehörigen, als auch die Tabuisierung der Problematik an sich MUSS sich „einfach“ ändern. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben, daher möchte ich meine Chance nutzen, sie ein wenig mitzugestalten.

Es wird seinen Grund haben, weshalb Du gerade diesen Beitrag hier liest. Vielleicht hast Du meinen Blog abbonniert, er tauchte in Deiner Timeline auf oder jemand hat Dich auf diesen aufmerksam gemacht.

Sicherlich ist Dir aufgefallen, dass auf meiner Homepage keine lästige Werbung für Versicherungen oder Abnehmtabletten geschalten ist und einen Pseudo-Kurs, wie Du Deine Depressionen in zehn Tagen für immer und für nur 750 € los wirst, findest Du bei mir auch nicht.

Ich schreibe hier offen, ehrlich, ohne eine Gewinnabzielung – es ist somit eine ehrenamtliche Tätigkeit, die ich ausübe. Noch dazu sehr gerne und mit viel Herzblut!

Doch nun ist – neben meinem Kopf und meinem Gefühl – mein wichtigstes Hilfsmittel kaputt:

Mein Notebook ist defekt und nicht reparabel. Um weiter meinen Blog und meine Online-Selbsthilfe-Gruppe hochwertig führen zu können, benötige ich einen neuen Rechner. Dieser muss auch für Bild- und Video-Bearbeitung fähig sein und ist daher recht kostenintensiv.*

Aufgrund dessen sammele ich aktuell Geld, da ich mir diesen einfach nicht alleine leisten kann. Über Betterplace kannst Du mir mit schon einem Euro weiterhelfen: Spendenkampagne von Nora auf Betterplace

Für jeden einzelnen gespendeten Euro bin ich sehr dankbar. Damit unterstützt Du mich und meine Arbeit und wirst sehr gerne zum Dank und meiner Wertschätzung als UnterstützerIn auf meiner Webseite genannt. Gerne mit einer Verlinkung zu Deinem Blog, Unternehmen oder …

GEMEINSAM SIND WIR STARK – Also, wer mir zu Weihnachten oder zu meinem Geburstag (01.01. – Ja, kein Scherz!) eine Freude bereiten mag, der besuche meine Spendenkampagne und/oder teilt diesen Beitrag, um andere Menschen darauf aufmerksam zu machen. Ganz lieben Dank 

Und wer weiß, vielleicht wird mein Traum wahr und NIEMAND braucht sich mehr wegen Depressionen oder einer anderen psychischen Erkrankung schämen, sondern kann offen darüber reden. Vor allem können wir auch nur durch das Drüberreden anderen Mut machen, dass auch sie einen Weg raus aus dem Teufelskreis und rein ins Leben finden.

Bildquelle: pixabay
*Zum Beispiel: Asus ROG GL503VS-EI012T 15,6″ Full-HD 144 Hz / Intel Core i7-7700HQ / 16GB / 1TB + 256GB / GeForce GTX 1070 / Win10 – regulärer Preis 1.799,- €

 

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