Grundeinkommen

Politisches Antidepressivum: Das Grundeinkommen

Während mein Lebenslauf aufgrund von langen Krankheitszeiten, Arbeitslosigkeit und Gelegenheitsjobs ziemlich zerstückelt ist, ist der meines Freundes geradlinig: Schule, Abitur, Studium, Arbeit. Vor einigen Monaten kam er mit folgender Frage zu mir:

„Welche Auswirkungen hätte ein bedingungsloses Grundeinkommen auf Deine Gesundheit?“

Überrascht blickte ich in seine erwartungsvollen Augen. Was will er denn nun von mir? Meinen durchaus lückenhaften Lebenslauf hat er nie kritisiert oder bemängelt. Er akzeptierte mich und meine Erkrankung von Beginn an. Und obwohl er zuvor noch nie mit psychisch Erkrankten zu tun hatte, machte er ziemlich viel richtig – er motivierte mich, dass ich mich ab und zu meinen Ängsten stellte, ohne Ratschläge zu geben. Er war für mich in den tiefsten Krisen da, ohne mich unter Druck zu setzen. In meinen Ideen und Zielen unterstützt(e) er mich.

Mein Kopfchaos begann – sieht er jetzt etwas anders? Bin ich ihm nicht gesund genug? Nervt es ihn, dass ich nicht so viel Geld habe?

Schatz, ich weiß gar nicht, was Du gerade von mir willst? Und überhaupt –“

Was heißt ‚bedingungsloses Grundeinkommen‘?

Verwirrt und fragend sah ich ihn an. Er setzte sich neben mich auf die Couch und nahm meine Hand.

„Also, ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll:

  • die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen,
  • einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie
  • ohne Bedürftigkeitsprüfung und
  • ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.“

(Quelle: grundeinkommen.de)

Schon bei dem Wort „politisch“ legte sich meine Stirn in Falten, da dieses Thema überhaupt nicht mein Steckenpferd ist. Seine Worte hörte, doch verstand ich nicht. „Also, ist es so etwas ähnliches wie das ALG II, was ich derzeit bekomme?“

Nein, es ist etwas ganz und gar Neues, weil das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) eben bedingungslos ist.“ Mein Freund (im folgenden „M.“) holte tief Luft und begann mit immer strahlenderen Augen zu erzählen.

Weißt Du Nora, beim BGE findet keine Bedürftigkeitsprüfung statt, so wie es derzeit bei Hartz 4 ist. Da musstest Du ja alle Deine Finanzen offen legen und das JobCenter prüfte, ob Du Anspruch auf das ALG II hast. Beim BGE ist es so, dass es jeder bekommt – die Erwerbstätigen wie die Erwerbslosen, die Ärmsten wie die Reichsten, Deine beste Freundin und Dein schlimmster Feind.

Heutzutage sind viele Menschen abhängig von der „Gnade“ der Gesellschaft, die im Falle einer (nachzuweisenden) Bedürftigkeit via Sozialleistungen für Existenzsicherung aufkommt. Doch dies erfolgt nur, wenn man deren mehr oder vielleicht auch weniger sinnvolle Regeln befolgt.

Die Folgen können schwerwiegend sein: Existenzangst, das Gefühl der Gesellschaft „auf der Tasche zu liegen“ und in der Konsequenz oft auch der (innere wie äußere) Zwang, einen Beruf auszuüben, der einem widerstrebt. All das birgt immense gesundheitliche Risiken.

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen könnte sich das ändern.

Die Existenz wäre bedingungslos gesichert und dadurch, dass alle es bekämen, müsste sich auch niemand dafür rechtfertigen. Das BGE ist, anders als das ALG II, keine bedarfsabhängige Sozialleistung, sondern die bedingungslose Grundsicherung für jeden Menschen einer Gesellschaft, einfach nur, weil es ihn gibt.“

Aber M.“, warf ich kritisch ein, „wenn das alle bekommen und nicht nur die Bedürftigen, wie soll das denn finanziert werden? Kann sich der Staat das überhaupt leisten?

Wir sind der Staat. Und ja, das können wir. Das lässt sich auch ganz einfach erklären: Denn tatsächlich hat schon heute jede Person in Deutschland Anspruch auf Sicherstellung ihres Existenzminimums. Die Menschen erhalten ihre Existenzsicherung entweder aus eigener Erwerbsarbeit, aus ihren Kapitaleinkünften, aus Unterhaltszahlungen oder aus Sozialtransfers. Mit einem BGE würden wir den existenzsichernden Teil dieser Einkommen ganz einfach bedingungslos verteilen.“

(Ganz so einfach ist es dann natürlich doch nicht. Dieser sehr vereinfachte Gedankengang dient nur um zu veranschaulichen, dass prinzipiell genug vorhanden ist um ein BGE einzuführen.)

So langsam begann ich das ganze zwar etwas zu verstehen, doch überzeugt war ich noch nicht.

„Wenn das so ist, M., dann würde doch kaum ein Mensch mehr noch arbeiten gehen?“

Das denken viele, Nora, doch Umfragen zeigen anderes.“ entgegnete mir mein Freund, der weiterhin überzeugt von dieser Idee war. „Die zentrale Frage in den Diskussionen rund um das bedingungslose Grundeinkommen ist: ‚Was würdest Du tun, wenn für dein Grundeinkommen gesorgt wäre?‚ Und interessanterweise erhält man dabei andere Antworten, als bei der Frage: ‚Was denkst Du, würden andere Menschen tun, wenn für ihr Grundeinkommen gesorgt wäre?

Götz Werner und Adrienne Göhler schreiben in ihrem Buch ‚1000 Euro für jeden‘ sinngemäß, dass der Anteil der Menschen, der versichert, auch mit einem bedingungslosen Grundeinkommen weiter arbeiten zu gehen, bei 90% liegt. Währenddessen liegt der Anteil der Menschen, der glaubt, andere würden mit einem bedingungslosen Grundeinkommen weiterhin arbeiten gehen, bei gerade einmal 20%.“

Ehe ich diese Aussage verbal in Frage stellen konnte, ging M. schon auf mein Stirnrunzeln ein. „Ja, vielleicht sind die Zahlen etwas übertrieben oder veraltet, doch zumindest in der Tendenz bestätigen diverse Umfragen hier ein entsprechendes Missverhältnis.

Tatsächlich sind Grundeinkommens-Befürworter von etwas überzeugt, dass sich intrinsische Motivation nennt. Das heißt, der Mensch hat einen inneren Antrieb, etwas zu schaffen, sich zu verwirklichen, sich in die Gesellschaft einzubringen – durch Arbeit. Die bisherigen Pilotprojekte zum BGE lassen jedenfalls nicht darauf schließen, dass fehlende Arbeitsmotivation ein wesentliches Problem darstellen würde. Selbst bei Lottomillionären kann überwiegend beobachtet werden, dass diese einfach weiterarbeiten.“

Und was ist mit …“

Es gibt tatsächlich tausende von Detailfragen zum bedingungslosen Grundeinkommen.“, unterbrach mich M. „Wer macht dann die wirklich unangenehmen Jobs? Was ist mit Inflation? Außenhandel? Wer hätte in Deutschland Anrecht? Wie hoch soll das BGE eigentlich genau sein? Und was ist mit Kindern?

(Am Ende des Beitrages ein paar Links, die geeignet sind, viele dieser Fragen zu beantworten)

Aber bevor wir uns verzetteln, lass uns mal auf die eigentliche Frage zurückkommen:“

Welche Auswirkungen hätte ein bedingungsloses Grundeinkommen auf Deine Gesundheit?

Ich nahm mir ein paar Tage Zeit, um mir in Ruhe mir vorzustellen, was für Auswirkungen ein BGE auf mein Leben und meine Gesundheit hätte bzw. in der Vergangenheit gehabt hätte.

Mit aller Wahrscheinlichkeit hätte ich nie meine Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen. Dieser Schritt war nach der 10. Klasse eher eine Notlösung für mich, um überhaupt eine Ausbildung zu machen. Viel lieber wäre ich Fotografin oder Journalistin geworden. Doch dies wurde mir von verschiedenen Seiten ausgeredet, da es zu schlecht bezahlt wird und man keine Perspektiven hätte.

Vielleicht hätte ich dennoch nach einer Ausbildung mein Fachabitur gemacht, um einmal studieren zu können. Philosophie interessierte mich lange Zeit. Doch da hieß es, dies sei brotlose Kunst und man würde damit seinen Lebensunterhalt nicht verdienen können.

Das Studium der Sozialen Arbeit hätte mich bestimmt trotz eines BGE interessiert. Dass ich dieses aufgrund meiner psychischen Erkrankung abbrechen musste, hätte wahrscheinlich auch ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht verhindert. Doch die darauffolgende Zeit, meine letzten sieben Jahre, wären anders verlaufen:

Ich hätte mich nie selbst gezwungen, in einem Call Center zu arbeiten. Dies tat ich jedoch, um weder dem Amt noch meinem Freund auf der Tasche zu liegen. Ein Punkt, der mich sehr lange Zeit enorm bedrückte. Denn viele Freitzeit- oder Urlaubsaktivitäten konnte/kann ich mir mit Hartz 4 natürlich nicht leisten.

Doch der Arbeit in einem Call Center war ich nicht gewachsen. Inhaltlich war es kein Problem. Die Firma, für die ich arbeitete, war ein Webhosting-Unternehmen und diesbezüglich habe ich vieles gelernt, was ich heute als technisches Know How für meine Internetseite hier brauche. Doch das ganze andere, was zu einem Job gehört, hat mich gesundheitlich geschädigt: Der enorme Zeit- und Leistungsdruck, die vielen Menschen in dem Großraumbüro, der ständig wechselnde Schichtdienst und letzten Endes auch der Punkt, dass es ein Job war, der mich kein Stück interessierte. Den ich nur machte, um eben nicht arbeitslos zu sein.

Die Folge war ein Zusammenbruch. Ich rutschte immer wieder in derealisierende Zustände, wo mir mein ganzes Umfeld unwirklich vorkam. Mir war schwindelig, ich bekam Kopf- und Magenschmerzen. Meine Stimmung sank, ich verlor Interesse an Aktivitäten, die mir sonst Freude bereiteten und ich bekam enorme Schlafprobleme.

Immer tiefer, bis ich in einer schweren Depression mit Suizidgedanken gefangen war. Kraftlos. Müde. Perspektivlos.

Dies war im Frühjahr 2014. Infolge der Krise besuchte ich eine Tagesklinik, wo ich mich stabilisieren konnte. Mir wurde empfohlen, den Job zu kündigen bzw. die Branche zu wechseln. Insgesamt war ich fast zwei Jahre arbeitsunfähig, war ein zweites Mal in der Tagesklinik und für neun Wochen in einer psychosomatischen Reha-Klinik. Ambulant bin ich seit 2016 in einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie.

Lange Zeit bekam ich Krankengeld, dann noch etwas ALG I, seit gut einem halben Jahr muss ich ALG II beziehen.

Ich bin finanziell abhängig. Vom Staat und zu großen Teilen von meinem Freund. Das schränkt mich ein und belastet mich – ich möchte keinem auf der Tasche liegen.

Ehrenamtlich bin ich viel engagiert und fühle mich sehr wohl mit meinen Aufgaben. Sie tun mir gut, ich fühle mich stabil, dem gewachsen und darf Wertschätzung erfahren. Gerne möchte ich dies als „richtigen“ Beruf ausüben und mich dafür mit entsprechenden Qualifikationen weiter entwickeln. Der Bedarf an Betroffenenberatung im Bereich psychischer Gesundheit ist da.

Obwohl ich infolge eines 4-stündigen Gespräches beim psychologischen Gutachter des Arbeitsamtes eine schriftliche Bestätigung habe, dass ich für diesen Bereich geeignet bin, erhielt ich weiterhin keine Unterstützung meiner Pläne seitens der Sachbearbeiterin. Schließlich haben psychisch Erkrankte in sozialen Bereichen beruflich nichts zu suchen.

Eine pauschalisierte Aussage, welche alle Betroffenen über einen Kamm schert.

Anstelle dessen empfahl sie mir die Umschulung zur Steuerfachangestellten, zur Rechtsanwaltsfachangestellten oder auch zur Floristin. Alles Berufe, welche mich zum einen nicht interessierten und welchen ich zum anderen inhaltlich überhaupt nicht gewachsen bin. Zahlen und Buchhaltung sind überhaupt nicht meine Freunde – als Steuerfachangestellte würde ich somit jeder Firma nur zur Pleite verhelfen.

Dennoch musste ich mich mit den Gedanken an eine solche Umschulung auseinandersetzen, da mir das Risiko der Sanktionierung jederzeit bewusst war.

Kürzungen der finanziellen Leistungen also. Erneuter Druck. Da mir Teilzeitumschulungen oder zeitlich gestrecktere Ausbildungen die Sachbearbeiterin vom JobCenter nicht anbieten konnte und ich keinen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen wollte, willigte ich in eine 6-wöchige Berufs- und Arbeitserprobung ein.

Nach nur einer Woche scheiterte ich. Die vielen neuen Menschen, der Druck, alles richtig machen zu wollen (um eben nicht einen Rentenantrag stellen zu müssen) und die Inhalte, welche aus Wirtschaft, technisches Zeichen und geschäftliche Textverarbeitung bestanden, rissen mich erneut in eine Krise.

November 2016 – infolge von Panikattacken und Depressionen war ich schon wieder gefangen. Unfähig, selbstständig für mich zu sorgen. Angst, wie es weitergehen soll und kann. Perspektivlosigkeit. Hoffnungslos. Ohne die Unterstützung meines Freundes wäre ich weder zu meinem Psychiater noch zu meiner Therapeutin gekommen.

Einige Wochen war ich arbeitsunfähig geschrieben und kümmerte mich um mich. So ging ich nach und nach meinen Interessen nach – z.B. meinen Ehrenämtern. Diese bestehen aus der Betroffenenberatung vor Ort in einem Stadtteilzentrum in Berlin, der Mailberatung bei der Deutschen Depressionsliga e.V. und der Zusammenarbeit mit der „Jungen Selbsthilfe„. Mit einer Hauptamtlichen der Jungen Selbsthilfe besuche ich Seminare von Studenten der Sozialen Arbeit, um über psychische Erkrankungen bzw. Wirkung und Grenzen von Selbsthilfegruppen zu informieren.

Bereiche, die nicht jedem psychisch Erkrankten gut tun. Doch dies kann man nicht pauschalisieren. Mir hilft diese Arbeit sehr.

Mittlerweile habe ich einen anderen Sachbearbeiter. Ihm habe ich gesagt, was für Qualifikationen ich innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate anstrebe und was ich derzeit so mache. Noch beziehe ich immerhin ALG II. Es ist ein junger Sachbearbeiter, der mich überraschenderweise sehr unterstützt.

Er hat verstanden, dass ich langfristig gesehen nicht in der Lage bin, an der Kasse, im Call Center oder als Reinigungskraft zu arbeiten. Er hat auch verstanden, dass es durchaus wichtig für die allgemeine Gesundheit und Zufriedenheit ist, dass Menschen einer Arbeit nachgehen, die sie wenigstens etwas erfreut oder erfüllt. Dass ich noch einige Zeit vom JobCenter abhängig bin, ist für ihn weniger ein Problem als für mich. Es scheint, als wüsste er, dass mir eine Arbeit nur der Arbeit wegen schaden würde.

Dass ich diesmal so ein Glück habe, ist nicht selbstverständlich.

Von zu vielen Betroffenen aus meiner Selbsthilfegruppe, der Mailberatung oder auch den privaten Nachrichten über meinen Blog erfahre ich, dass sie gezwungen sind, sämtliche Maßnahmen des JobCenters zu folgen oder aber ihnen werden die Leistungen gekürzt. Ein anderes Problem ist, dass viele auf dem zweiten Arbeitsmarkt arbeiten, sich dort jedoch häufig unterfordert fühlen.

Nun bin ich zwar weiterhin vom JobCenter abhängig, doch stehe nicht unter deren Druck. Ich habe Ziele und einen realistischen Plan, wie ich diese erreiche – ich habe Hoffnung und blicke wieder zuversichtlich in die Zukunft.

Aufgrunddessen bin ich seit einigen Monaten alles andere als depressiv. Es gibt noch einige Hürden, es bestehen noch einige Abhängigkeiten und auch fehlen mir manchmal Sicherheiten. Ja. Doch ich habe angefangen zu leben und mich zu bewegen.

So oder noch viel befreiender stelle ich mir die Wirkung eines bedingungslosen Grundeinkommens vor.

Natürlich möchte ich arbeiten und eigenständig Geld verdienen – doch meine Gesundheit dafür aufs Spiel zu setzen, ist mir ein zu hoher Preis geworden.

Meine ganzen Gedankengängen teilte ich ein paar Tage später mit meinem Freund. Wir haben seitdem oft und lange darüber diskutiert, wie sehr sich Arbeitsumstände und finanzielle Unsicherheiten auf die psychische Gesundheit eines Menschen auswirken. Auch der Punkt, was die Abhängigkeit, der Druck und die Androhung von Sanktionen vom JobCenter für die psychische Stabilität eines Menschen bedeutet – unabhängig davon, ob er psychisch vorbelastet ist oder nicht.

Eine wichtige Frage kam meinem Freund dadurch noch in den Sinn:

Könnte man sagen, ein bedingungsloses Grundeinkommen rettet Leben?

Im ersten Moment kam mir die Frage selbst etwas pathetisch vor. Doch das ist sie nicht.

Wenn man Weiterbildungen und Maßnahmen besuchen MUSS, unter Druck gesetzt wird und Leistungskürzungen angedroht werden, schwächt das die psychische Verfassung so ziemlich jedes Menschen. Bei einem depressiv Veranlagten ist die Wahrscheinlichkeit einer neuen Krise vorprogrammiert.

In Deutschland sterben pro Jahr ca. 10.000 Menschen durch Suizid. Zwei davon gehörten zu meinem Bekanntenkreis. Einer von den beiden hatte starke finanzielle Probleme und sah keinen Ausweg.

Eindeutig „Ja“. Wären alle Menschen ohne Druck, ohne Sanktionen, ohne Abhängigkeit BEDINGUNGSLOS finanziell im Bereich des Existenzminimums abgesichert, könnten durchaus Suizide verhindert werden.

Das zumindest ist inzwischen meine Überzeugung. Doch was würdest Du tun, wenn Du ein bedingungsloses Grundeinkommen hättest?

***

Allgemeine Hinweise zum bedingungslosen Grundeinkommen

Seit September 2016 gibt es das Bündnis Grundeinkommen, eine monothematischen Partei. Die Mitglieder und viele Engagierte sammeln seit einigen Monaten in allen Bundesländer Deutschlands Unterschriften, damit das BGE wählbar wird.

Es ist nämlich so, dass, obwohl laut aktuellen Umfragen bereits die Mehrheit der Europäer für das BGE sind, keine der aktuell der im Parlament vertretenen Parteien dieses Thema im Programm hat. Neben der philosophischen Fragestellung und dem Angebot einer Alternative zu unserem teilweise unwürdigen, krankmachenden Sozialsystem wird das bedingungslose Grundeinkommen mittlerweile zu einer ökonomischen Notwendigkeit (Digitalisierung, Flexibilisierung der Arbeit, …)

Falls ihr möchtet, dass im Herbst 2017 bei der Bundestagswahl in Deutschland „Grundeinkommen“ auch auf Eurem Wahlzettel erscheint, so findet ihr unter folgendem Link alle Informationen zu den Unterstützerunterschriften: Informationen zu Unterstützerunterschriften 

Pro Bundesland werden bis zu 2000 Unterschriften benötigt.

Weitere Links:

Netzwerk Grundeinkommen

Fragen und Antworten rund ums Grundeinkommen

Archiv Grundeinkommen – hier findet ihr einfach alles

blog.baukje.de Blog einer Ärztin und und Psychotherapeutin, die jeden Tag damit konfrontiert wird, dass das Arbeits- und Sozialsystem die Menschen krank macht: Diejenigen, die schon arbeitslos sind, aber auch alle anderen, die Arbeitsbedingungen akzeptieren die sie krank machen, weil sie Angst vor einem repressiven Sozialsystem haben. Deswegen tritt sie für das Bedingungslose Grundeinkommen ein und schreibt auf ihrem Blog regelmäßig über das Thema.

Bildquelle: pixabay.com

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo, Nora!

    Du sprichst mir aus der Seele! Mir würde ein BGE auch sehr viel Druck nehmen. Ich leide sehr unter meinen Existenzängsten und der Angst davor, wieder zu etwas gezwungen zu werden, was ich nicht will: zurück ins Hamsterrad. Denn ich weiß, dass es nicht funktionieren wird. Ich werde immer wieder krank. Und sobald ich mich wieder für meine Depression rechtfertigen muss, um weiterhin Krankengeld zu beziehen, tauchen die Suizidgedanken wieder auf. Das Gefühl der Abhängigkeit untergräbt mein gestörtes Selbstwertgefühl noch mehr. Ich war mal eine arbeitende Frau, die auf eigenen Füßen stand und niemanden brauchte.

    Mich würde das BGE auf jeden Fall retten. Was ich genau tun würde, weiß ich nicht. Ich habe viele Interessen und Ideen. Mir fehlt aber die Kraft, irgend etwas davon umzusetzen, weil meine ganze Energie in die Existenzangst geht.

    Liebe Grüße
    Yvonne

    Antworten

  2. Hallo Nora, ich bin erst vor kurzem durch eine andere Seite Aug deinen Blog gestoßen, da war er aber gerade in Umbau. Nun habe ich einiges durchgelesen und muss sagen, mir gefällt er sehr Ich mag es wie du hier deine Krankheit verarbeitest und auch anderen Mut machst. Ich bin selbst Betroffene. Auch in deinem Alter. Und das Thema beschäftigt mich auch aktuell. Ich bin trotz Abraten zurück in meinen alten Job. Ich wurde begutachtet, dass ich diesen nicht mehr ausführen kann. Danach sollte ich aber auch zu einer Umschulung in den Bürojob gedrängt werden. Absoluter Horror für mich. Mein Wunsch mit Kindern zu arbeiten wurde auch direkt abewiesen, weil ja psychisch krank. Geht nicht. Letztendlich drohte mein Alg1 auszulaufen und auf alg2 habe ich momentan keinen Anspruch. Ich wohne alleine und hatte riesige Angst finanziell vor dem Nichts zu stehen. Irgendwann fand ich eine Stelle im gelernten Beruf. Aber der Druck, die Arbeitszeiten, Überstunden, Schichtdienst ,….außerhalb der Arbeit geht momentan wieder nichts, die Depression ist riesig und meine Ärztin meint ich brauche dringend eine Auszeit, notfalls auch stationär. Aber ich habe Angst dann den Job wieder zu verlieren. So versuche ich es weiter bis wohl irgendwann wieder gar nichts mehr geht. Also ja, auch mir würde das BGE helfen mich erstmal um mich und meine Gesundheit zu kümmern, um dann auch wieder leistungsfähiger zu sein. Die ständigen Gedanken um das Finanzielle zermürben noch viel mehr und hindern sichern eine Besserung. Aber wie du will ich ja arbeiten, auch weil es mir hilft. Nur so hätte man eben mehr Zeit etwas zu finden, was zu den eigenen Bedürfnissen und der Krankheit passt. Ich finde es wahnsinnig super, dass du jetzt so einen tollen Sachbearbeiter gefunden hast, der viel Geduld hat und auch auf deine Wünsche eingeht. Ich wünsche dir, dass du so für dich den gewünschten Beruf erlernen kannst und es dir damit gut geht. Alles Gute dafür. Ich schaue jetzt öfters vorbei 🙂 LG Nadja

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  3. Liebe Nora, das ist ein unheimlich spannendes Thema, über das ich mir – seit mich meine Angststörung aufgesucht hat – sehr, sehr, sehr oft Gedanken gemacht habe. Würde man mich fragen, ob mir ein BGE helfen könnte, würde ich sofort Ja sagen. Wie du auch schon schreibst: Der finanzielle Druck ist einfach enorm groß! Als ich in meinem ursprünglichen Job nicht mehr arbeiten konnte und Leistungen von der Krankenkasse beziehen musste, konnte ich mich mitnichten auf meine Genesung konzentrieren. Weil ich wusste: Ich komme in den Job nicht mehr so rein, wie früher. Ich brauche mehr Zeit. Ich würde kündigen müssen (was ich dann auch getan habe) und dann stünde mir kein Krankengeld mehr zu. Auch noch kein ALG I. ALG II wollte ich vorerst nicht beantragen. Die Gedanken um meine finanzielle Absicherung haben mich monatelang gequält und mich nicht zur Ruhe kommen lassen – obwohl das doch so wichtig ist, vor allem weil meine Angststörung sich mit Stress unheimlich steigert.
    Das BGE würde so viel Druck nehmen, das kann ich mir nicht einmal vorstellen. Es müssten nicht einmal gleich 1000 Euro sein. Allein die Hälfte ist schon so ein großer Gewinn! Dann können Menschen mit psychischen Erkrankungen langsam wieder in den Berufsalltag hineingleiten. Mit minimaler wöchentlicher Stundenzahl. Und sie könnten sich das Leben trotzdem leisten! Ich jobbe nun in einem absolut anderen Bereich, der in Ordnung ist und mit dem ich mich finanziell über Wasser halten kann. Aber mehr auch nicht. Da sind kaum Vergnügungen drin, keine Reisen und Geburtstagsgeschenke. Ich arbeite nicht Vollzeit, das kann ich noch nicht und will es in dem Bereich auch nicht. Ich würde mich so gern ausprobieren. Aber unbezahlte Praktika kann ich mir nicht leisten. Ein weiteres Studium auch nicht – denn vollzeit studieren und nebenher arbeiten, um das Studium zahlen zu können? Früher habe ich das gemacht, als ich gesund war. Heute geht das gar nicht mehr. Mit einem BGE wäre das anders. Einfacher. Und auch ich denke, dass Deutschland dann nicht auf der faulen Haut liegen würde. Es würde die Menschen vielleicht eher dazu animieren, in dem Bereich zu arbeiten, auf den sie wirklich Lust hätten. Auch wenn das weniger Geld einbringt – das BGE stockt den Lohn ja auf. Obwohl ich mich frage, wie es in „unangenehmen“ Bereichen laufen würde. Putzjobs zum Beispiel. Oder körperlich zu anstrengende Arbeiten…
    Hach. Ich komme bei dem Thema immer wieder ins Schwärmen, entschuldige^^ Auf jeden Fall danke für den Text und für die Links!

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