Wölfe

Die zwei Wölfe in mir …

Als ich in der Tagesklinik war, gab es eine Therapie-Einheit namens „Selbstfürsorge“. Hier suchten wir positive Verstärker in unserem Leben – was tut uns gut, womit fühlen wir uns wohl und wie schafft man es, sich besser um sich selbst zu kümmern. Im Rahmen der positiven Selbstbeeinflussung erzählte uns eine Krankenpflegerin die Geschichte vom weisen Indianer:

Eines Abends erzählte ein alter Cherokee-Indianer seinem Enkelsohn am Lagerfeuer von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt.

Er sagte: „Mein Sohn, der Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten, die in jedem von uns wohnen.“

Einer ist böse.

Er ist der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile, die Minderwertigkeitsgefühle, die Lügen, der falsche Stolz und das Ego.

Der andere ist gut.

Er ist die Freude, der Friede, die Liebe, die Hoffnung, die Heiterkeit, die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Großzügigkeit, die Aufrichtigkeit, das Mitgefühl und der Glaube.

Der Enkel dachte einige Zeit über die Worte seines Großvaters nach, und fragte dann: Welcher der beiden Wölfe gewinnt?

Der alte Cherokee antwortete: „Der, den du fütterst.“

Nur bedenke, wenn du nur den weißen Wolf fütterst, wird der Schwarze hinter jeder Ecke lauern, auf dich warten und wenn du abgelenkt oder schwach bist wird er auf dich zuspringen, um die Aufmerksamkeit zu bekommen die er braucht.

Je weniger Aufmerksamkeit er bekommt, umso stärker wird er den weißen Wolf bekämpfen. Aber wenn du ihn beachtest, ist er glücklich. Damit ist auch der weiße Wolf glücklich und alle beide gewinnen.“

Das ist die große Herausforderung eines jeden von uns… das innere Gleichgewicht herzustellen.

Denn der schwarze Wolf hat auch viele wertvolle Qualitäten – dazu gehören Beharrlichkeit, Mut, Furchtlosigkeit, Willensstärke und großes intutives Gespür, Aspekte, die Du brauchst in Zeiten, wo der weiße Wolf nicht weiter weiß, denn er hat auch seine Schwächen.

Du siehst, der weiße Wolf braucht den schwarzen Wolf an seiner Seite. Beide gehören zusammen. Fütterst du nur einen, verhungert der andere und wird unkontrollierbar. Wenn du beide fütterst und pflegst wird es ihnen gut tun und ein Teil von etwas Größerem, das in Harmonie wachsen kann. Füttere beide und du musst deine Aufmerksamkeit nicht auf den inneren Kampf verwenden müssen. Und wenn es keinen inneren Kampf gibt, kann man die innere Stimme, der alles wissenden Führer hören, die dir in jeder Situation den richtigen Weg deutet.

Frieden, mein Sohn, ist die Mission der Cherokee, ist das Leben. Ein Mann, der den schwarzen und weißen Wolf in Frieden in sich hat, der hat alles. Ein Mann, der in seinen inneren Krieg gezogen wird, der hat nichts. Dein Leben wird davon bestimmt, wie du mit deinen gegnerischen Kräften umgehst. Lass nicht den einen oder anderen verhungern, füttere sie beide und beide gewinnen.“

Wie oft sehe ich nur das, was ich nicht kann und lasse das, was ich schon erreicht habe, unter den Tisch fallen?

Wie oft übergebe ich den Selbstzweifeln und der Angst die Zügel anstatt meinen Wünschen zu folgen?

Wie oft werte ich mich ab, weil ich etwas nicht so gut oder so schnell kann wie andere, anstelle zu schätzen, dass ich dasselbe überhaupt geschafft habe?

Wie oft … Interessanter: Wie schaffst Du es, Dich um den guten Wolf in Dir zu kümmern?

Bildquelle: adobe

Autor der Kurzgeschichte leider unbekannt

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Nora,
    Deine Texte rühren mich tief. Tränen sammeln sich in den Augenwinkeln. Ich erkenne mich in deinen Texten. Danke

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    • Liebe Mona,

      vielen Dank für Deine Zeilen. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Die Kurzgeschichte ist nicht von mir.

      Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Tränen freien Lauf lassen kannst und so ein Stück Befreiung erfährst.

      Dir alles Liebe und ganz viel Kraft,
      Nora

      Antworten

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