9 Tipps zur Therapieplatzsuche

Therapieplatzsuche

Therapieplatzsuche – allein das Wort löst bei vielen schon Herzrasen aus 🤯 Verständlich. Denn zusätzlich zur Erkrankung und dem Auseinandersetzen mit schwierigen Gefühlen und schmerzhaften Erlebnissen, steht einem die Hürde bevor, überhaupt einen Therapieplatz zu finden.  Lt. der Bundespsychotherapeut:innenkammer warten Betroffene durchschnittlich 22 Wochen. Eine enorm lange Zeit, wenn es einem schlecht geht und vor allem ein Risiko, dass sich die Erkrankung verschlimmert. Nachfolgend findest Du 12 Tipps, wie Du einen Therapieplatz findest.

12 Tipps zur Therapieplatzsuche


1. Hausärzt:innen kontaktieren

Für viele Menschen ist der Hausarzt bzw. die Hausärztin eine erste Anlaufstelle. Vorausgesetzt, es besteht ein Vertrauensverhältnis, kannst Du Dich mit ihm/ihr unterhalten und Deine Situation schildern. Dies ist nicht nur entlastend für Dich, sondern er/sie kann mit Dir gemeinsam überlegen, ob eine ambulante Therapie in Frage kommt oder nicht. Eine Überweisung brauchst Du von einer hausärztlichen Praxis nicht, jedoch kann Dir diese ausgestellt und mit einem Dringlichkeitsvermerk versehen werden, mit Hilfe dessen Du Dich an die Terminservicestelle wendest.

2. Terminservicestelle

Die Terminservicestellen gibt es seit 2018 und Du erreichst sie telefonisch unter der 116117.  Dort kannst Du 24/7 anrufen, Deine Daten bzw. Grund Deines Anrufes angeben. Die dortigen Mitarbeitenden müssen sich innerhalb einer Woche bei Dir melden und Dir einen Termin innerhalb von vier Wochen bei einer Psychotherapeutin bzw. einem Psychotherapeuten anbieten.

Normalerweise erhältst Du hier jedoch „nur“ ein Erstgespräch der psychotherapeutischen Sprechstunde. Das ist ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten bzw. einer Psychotherapeutin, wo ein Behandlungsbedarf festgestellt wird. Es ist also noch keine eigentliche Therapie.

Hast Du eine Überweisung mit einem Dringlichkeitsvermerk, so erhältst Du einen Platz in einer Psychotherapiepraxis. Dort können dann direkt die probatorischen Sitzungen (Kennlerngespräche) starten, die immer vor einer Psychotherapie bzw. Akutbehandlung stattfinden.

3. Krankenkasse kontaktieren

Rufe Deine Krankenkasse an bzw. schreibe ihr eine Mail und fordere eine Liste mit Psychotherapeut:innen an, die über freie Kapazitäten verfügen. Diese musst Du dann anrufen bzw. anschreiben.

4. Kassenärztliche Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes

Der kassenärztlichen Vereinigung müssen alle Vertragsärzt:innen und Vertragspsychotheraut:innen des jeweiligen Bundeslandes angehören. Gemäß §75  Abs. 1 SGB V und §73 Abs. 2 SGB V sind sie für die flächendeckende ambulante ärztliche und psychotherapeutische Versorgung von Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung zuständig.

Auf der Internetpräsenz des jeweiligen Bundeslandes kann man in einer Suchmaske Kriterien für die Therapeut:innensuche eingeben, wie z.B. Stadtteil/PLZ und Therapieverfahren, und erhält anschließend eine Übersicht der Therapeut:innen bzw. Psychiater:innen.

Wenn Du nachfolgend auf Dein Bundesland klickst, öffnet sich in einer neuen Registerkarte die Suchmaske zur Arzt-/Ärztinsuche der Kassenärztlichen Vereinigung des Bundeslandes:

Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen
Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen Nordrhein und Westfalen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen

5. Psychotherapeutische Institutsambulanzen (PiA)

In den psychotherapeutischen Institutsambulanzen arbeiten Therapeut:innen in Ausbildung. Diese haben das Psychologie- oder Medizinstudium bereits absolviert und befinden sich nun in der Ausbildung im jeweiligen Fachbereich (Tiefenpsychologie, Psychoanalyse,  Verhaltenstherapie oder Systemische Therapie). Einige mag das abschrecken, weil sie sich nicht vorstellen können, mit einer Endzwanzigerin über eigene Probleme reden zu können. Doch man trifft in Institutsambulanzen auch auf Therapeut:innen in Ausbildung, welche zwischendurch als Psycholog:in (…) in anderen Bereichen gearbeitet haben und sich nun neu orientieren.

Der Vorteil an den Institutsambulanzen ist, dass man dort innerhalb weniger Wochen einen Termin für das Erstgespräch bekommt. Auch erhält man zeitnah einen Termin für die probatorischen Sitzungen, also die ersten vier Kennenlerngespräche. Ich selbst war 2016  bis 2018 in einer Institutsambulanz angebunden und fühlte mich dort sehr gut aufgehoben.

6. Die Website www.therapie.de

Sehr hilfreich ist die Seite therapie.de, denn dort kannst Du verschiedene Filter zur Therapeut:innensuche setzen. Nicht nur für das Therapieverfahren, Geschlecht und den Ort, sondern Du kannst Dir auch die Therapeut:innen anzeigen lassen, welche noch über freie Kapazitäten verfügen. Dadurch hast Du zwar wieder eine Liste von Therapeut:innen vor Dir, welche Du anrufen musst, doch immerhin sind dies Therapeut:innen, welche noch Patient*nnen aufnehmen.

Dies stellt jedoch keine Garantie dar – die dort gelisteten Therapeut:innen sind selbst dafür verantwortlich, ihre Angaben aktuell zu halten. Bisher hab ich mit dieser Seite persönlich als auch in meiner Arbeit als Peer-Beraterin die besten Erfahrungen gemacht.

7. Die Website www.psych-info.de

Die Website www.psych-info.de entstand 2004 als Gemeinschaftsprojekt von verschiedenen Psychotherapeut:innenkammern. Zweck ist die Bereitstellung eines Informationssystems für Patient:innen und Ratsuchende. Hier kannst Du via div. Filtern nach Psychotherapeut:innen in Deiner Nähe suchen.

8. Kostenerstattungsverfahren

Wenn Du bei mindestens fünf kassenzugelassenen Therapeut:innen keinen Termin innerhalb der nächsten drei Monate erhältst, ist das Kostenerstattungsverfahren eine Alternative.

Dies bedeutet, dass man die Therapie bei einer/einem privaten Therapeut:in macht, die Kosten dafür jedoch von der eigenen Krankenkasse erstattet werden. Voraussetzung hierfür ist, dass man seiner Krankenkasse schriftlich mitteilt, welche Therapeut:innen man wann angerufen hat und wann diese den ersten Termin in Aussicht gestellt haben.

Vor allem der Nachweis, dass man nicht zeitnah einen Termin bekommen hat, ist ein entscheidender Punkt für die Kostenübernahme, da mehr als drei Monate Wartezeit laut der Bundespsychotherapeut:innenkammer als nicht zumutbar gelten.

Die Krankenkasse wird sich nach der Mitteilung nach einem freien Therapieplatz umsehen, welcher kassenzulässig ist. Sofern dies innerhalb einer akzeptablen Frist wie z.B. einer Woche nicht möglich ist, kann man sich eine:n approbierte:n Psychotherapeut:in ohne Kassenzulassung suchen. Von diesem/dieser benötigt man eine schriftliche Bestätigung über die Notwendigkeit einer Behandlung und die Angabe, dass zeitnah ein Therapieplatz frei ist. Dieses Schriftstück leitet man an seine Krankenkasse weiter.

Im Anschreiben bittet man um die Zustimmung zur Behandlung durch die/den genannten Therapeut:in und beantragt die Erstattung der dafür notwendigen Kosten nach §13,3 Sozialgesetzbuch (SSGB) V.

Bevor Du die Therapie bei der/dem privaten Therapeut:in anfängst, warte bitte die schriftliche Bestätigung Deiner Krankenkasse zur Kostenerstattung ab.

9. Unterstützung durch Ex-In-Genesungsbegleiter:innen bzw. Peers

„Therapieplatzsuche“ ist mit das häufigste Thema in meinen Beratungen. Oft unterstütze ich jene Personen bei der Suche nach einem Platz. Hierbei informiere ich über die vorgenannten Möglichkeiten und gmeinsam suchen wir passende Therapeut:innen raus. Manchmal bin ich bei einem Anruf mit dabei, wenn das Telefonieren für die Person schwierig ist oder wir formulieren gemeinsam eine Mail.

Ex-In-Genesungsbegleiter:innen bzw. Peers arbeiten in psychiatrischen Einrichtungen (z.B. Kliniken) oder angebunden an psychosoziale Beratungsstellen bzw. Selbsthilfe-Kontaktstellen. Und es gibt welche, die – so wie ich – diesen Beruf auf selbstständiger Basis ausüben. Vielleicht googlest Du mal nach „Peer-Beratung“ in Deinem Ort? Wenn Du ein Gespräch mir möchtest, so ist dies vor Ort in Berlin oder via Zoom möglich. Weitere Infos erhältst Du über folgenden Link: Beratungsgespräch mit Nora

Du kennst noch einen Tipp zur Therapieplatzsuche, der hier nicht genannt ist? Dann schreib ihn doch gerne in die Kommentare. Vielen Dank dafür!

Depression

In meinem Buch „Depression – und jetzt? Wegweiser einer Erfahrungsexpertin“ habe ich ebenfalls Tipps zur Therapieplatzsuche als auch die aktuellen von der Krankenkasse finanzierten Therapieverfahren vorgestellt. Neben den fachlichen Informationen zu Depression und Therapie erfährst Du von meinen persönlichen Therapieerfahrungen und Selbsthilfe-Strategien.

Zudem war es mir wichtig, auch Angehörige anzusprechen, weshalb ich über die Beziehung mit meinem Partner schrieb, allg. Impulse für Angehörige zum Umgang mit dem erkrankten Mitmenschen als auch zum selbstfürsorglichen Umgang mit sich selbst gebe. Weitere Infos erhältst Du auf folgender Seite: Buch „Depression – und jetzt?“

Du findest meine Arbeit hier wichtig und hilfreich? Dann freue ich mich, wenn Du mich unterstützen magst. Via Steady, einer Plattform, wo man mit einem geringen Abo-Beitrag Künstler:innen und Blogger:innen, habe ich ein Projekt gestartet, um mich und meine Arbeit zu finanzieren.

Je nach dem, für welches Abo Du Dich entscheidest, erhältst Du ein Dankeschön – Shoutout, monatliches Zoom-Treffen oder angeleitete Selbsthilfe-Übungen und Kurzgeschichten als Audio-Datei.

Schau doch mal vorbei: https://steadyhq.com/de/nora-fieling/about

Nora Fieling

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