Als ich kürzlich wegen eines Infekts komplett ausgeknockt war, machte ich zwangsweise auch eine Pause auf Social-Media. Es ging einfach nichts mehr. Und während ich die ersten ein, zwei Tage noch verfluchte, weil ich wusste, dass genau so eine Pause meine Reichweite einbrechen lässt, so war mir das ab dem dritten Tag nahezu egal. Ab etwa dem vierten Tag überraschte es mich selbst, dass mir diese Social-Media-Pause gefiel.
Denn ich spürte, wie befreiend es war, nichts abliefern zu müssen.
„Müssen“ ist dabei das falsche Wort, denn natürlich zwingt mich niemand dazu, irgendwas zu veröffentlichen. Aber dennoch verfolge ich mit dem, was ich online tue, ja auch ein Ziel – weil sonst könnte ich auch einfach Tagebuch schreiben, dieses abschließen und unter meinem Bett verstecken. Mache ich mit manchen meiner Texte eventuell auch – aber das ist ein anderes Thema …
Als ich im Sommer 2015 anfing, hier auf dieser Website Blogbeiträge zu veröffentlichen, ging es mir ursprünglich nur um diesen Raum. Damals, unter dem Pseudonym Nora Fieling, worunter mich niemand kannte, da ich nirgends Gesicht dazu zeigte.
Ich mochte diesen anonymen Raum, um meine Gedanken rauslassen zu können, ohne dass jemand, den ich persönlich kannte, davon wusste. Und ich mochte den Austausch mit anderen Menschen, die – meistens auch anonym mit Pseudonym – hier im Netz unterwegs waren.
Es war und ist eine phantastische Reise, die mit dem ersten Wort hier auf der Website begann. Nun, 11 Jahre später (Holla, die Waldfee …), folgten viele Blogbeiträge, der Aufbau einer tollen Community via Social-Media, das persönliche Kennenlernen neuer Menschen, das Entstehen besonderer Freundschaften. Ich zeigte irgendwann Gesicht und stand viel mehr zu mir und meinem Tun, es entwickelte sich eine berufliche Perspektive und mein geschriebenes Wort aus dem Internet fand sogar den Weg zu einer einzigartigen Verlegerin vom Starks-Sture-Verlag, Dank dessen mein eigenes Buch das Licht der Offline-Welt erblickte.
Aber mit meinen Jobs, mit all den Projekten und der ganzen Social-Media-Welt, da veränderte sich einiges:
Ich schrieb immer weniger Blog-Beiträge.
Ich schrieb immer weniger mit Hand und Füller.
Ich schrieb immer weniger für mich.
Zwischen Antistigmatisierung und Algorithmus verlor ich mich in Zahlen und Zielen, die zwar schon zu mir und meinem Weg gehörten – aber doch eigentlich eher eine Nebenstraße sind.
Nein, ich bereue nichts von dem, was die letzten Jahre Blog- und Social-Media-mäßig geschah – weder das Schreiben, das Gesicht-zeigen noch all die Social-Media-Posts. Aber manchmal wünsche ich mir dennoch die Anonymität zurück.
Die Freiheit, laut schreiben zu können, ohne dass jemand weiß, dass ich dahinterstecke.
Wesentlich öfter denke ich aber, dass alles so richtig ist, wie es gerade ist und dass dies nun mal mein Weg ist. Den Zweifeln am Wegesrand sage ich einfach „Guten Tag“ und gehe weiter. Hier und da begleiten sie mich ein Stück, das ist okay (rede ich mir zumindest ein).
„Was mache ich hier eigentlich?“ fragte ich mich also während der Zeit, wo ich krank im Bett lag und überlegte, was ich mit meinem Leben anstellen möchte, wenn ich wieder gesund bin. Und weil „das Leben“ eine ziemlich große Nummer ist und ich in der Therapie lernte, doch bitte kleine Schritte zu machen, begrenzte ich diese Frage auf mein Tun als Bloggerin.
Es dauerte einige gedankenvolle Nächte, ehe sich der Nebel an Fragen in meinem Kopf immer etwas weiter aufklärte. Und die Antwort beginnt hier: Es sind diese – vermutlich nicht sonderlich algorithmus-freundlich aneinander gereihten Worte, aber eben jene Worte, die gefühls- und gedankenverwoben hier aus mir fließen.
Ich möchte den Fokus wieder mehr auf den Blog, hier auf diese Website legen. Ich möchte wieder schreiben, weil ich etwas zu sagen habe – und nicht, weil ich denke, etwas veröffentlichen zu müssen.
Wohin diese Schreibreise führt, weiß ich noch nicht. Aber vielleicht muss ich das auch nicht wissen (Da haben wir es schon wieder, dieses „müssen“ …). Im Moment reicht es mir völlig, wieder mit Füller und Papier auf dem Boden zu sitzen und frei Schnauze alles rauszuschreiben.
Die Frage „Was mache ich hier eigentlich?“ wird mir bestimmt noch öfter begegnen. Das ist okay, sie darf gerne ihr eigenes Zimmer in meiner Gedankenwelt haben.
Jetzt schreibe ich einfach weiter und dann lesen wir, wohin das führt …

