Grenzverletzungen

T. A. Wegberg – Grenzverletzungen

Man hört oder liest relativ viel über die Borderline-Persönlichkeitsstörung – doch wie kann so eine Krankheit im wahren Leben aussehen? Man muss dazu sagen „kann“, immerhin sind die Lebensläufe und Geschichten so unterschiedlich und zahlreich, wie die Gesichter der Betroffenen selbst. In dem Buch „Grenzverletzungen“ erlaubt uns der Autor einen Einblick in das Leben eines Borderliners, seiner Freundschaften und Abhängigkeit.

Über den Autor

Eigentlich wollte T. A. Wegberg Psychiater werden, doch die obligatorischen Tierversuche im Studium schreckten ihn ab, sodass er Germanistik und Anglistik studierte. Mittlerweile arbeitet der Berliner als freier Autor, Lektor, Übersetzer und als ehrenamtlicher Online-Berater für Jugendliche.

Erster Satz

An manchen Tagen spiele ich mit dem Gedanken, Cosmo aus dem Fenster zu schubsen.

Inhalt

Als Leser ziehen wir in die WG von dem Borderliner Cosmo und seinem Seelenbruder und dem von Cosmo selbsternannten „Erlöser“, dem Studenten Johannes ein. Vom Dienstag, den 13.01. bis zum Donnerstag, den 02.04. erhalten wir einen Einblick, in das Zusammenleben dieser beiden jungen Männer im Gegenwartsberlin. Die Geschichte widerspiegelt das, was in vielen Haushalten, Freundschaften und Leben mit Borderlinern von sich geht – Spannung, Liebe, Hass, Selbstverletzung, Verachtung, Drogen, innere Leere und stets auf der Suche nach Nähe und Distanz. Die Beziehung der beiden ist engmaschig und bringt zu Tage, welche Gefühle und Schwierigkeiten mit sich einhergehen. Zumal, als mehr oder weniger plötzlich weitere Personen/Freunde in das Leben der jungen Männer eintreffen und für neue Gefühlsschwingungen sorgen, wie z. B. die junge, attraktive Studentin Nuria Rabe – die genauso heiß aussieht, wie sie heißt! Hinzu kommt die ewige Frage, ob Cosmo in eine Therapie einwilligen möchte!?

Meine Meinung

„Grenzverletzungen“ ist ein interessantes Buch, leicht zu lesen und viel weniger triggernd als sein Cover. Ich hätte quasi erwartet, dass es mich runterreißt und in mir ein Gefühlschaos auslöst, weil ich mich vielleicht darin wiedergefunden hätte. Aber dem war nicht so. Es liest sich nahezu leicht und sehr spannend.

Dass es mich emotional nicht mitnahm liegt wahrscheinlich daran, wie ich es eingangs schrieb – kennt man einen Borderliner, kennt man auch nur einen. Es ist eine ganz andere Geschichte als die meine. Ich würde auch behaupten, dass der Borderliner Cosmo ein impulsiv-aggressiver Typ ist, also ganz anders ist als ich, der ich eher emotional-instabil bin. Aber wie gesagt, so sind wir Borderliner halt – verschieden, wie jeder andere „gesunde“ Mensch auch!

Dennoch war es hochspannend zu lesen, zu erfahren, wie der Alltag zwischen den beiden jungen Männern ausschaut, welche Schwierigkeiten bestehen, wie die Nähe ausgehalten wird. Ich selbst hätte gerne mehr über die Hintergründe erfahren, weshalb der Cosmo diese Persönlichkeitsstörung entwickelt hat. Dies erfährt man tendenziell eher oberflächlich, es wird hier und da mal angerissen.

Dennoch schwingt die Schwere seiner Vergangenheit in nahezu jedem Kapitel mit. Es ist keine offensichtliche Erdrückung, die mir die Luft zum Atmen nahm, es schwingt unterschwellig mit. Und das ist der Punkt, der das Buch auch so lesenswert macht – es macht deutlich, dass nicht alles was uns, den Cosmo, bewegt auf dem Präsentierteller liegt. Man muss zwischen den Zeilen lesen, um in etwa nachzuvollziehen, was in diesem jungen Menschen vor sich geht!

Mein wirklicher Kritikpunkt geht an das Cover – auf der Seite des Verlegers las ich, dass der Autor in diesem Buch mit den Klischees von Borderline aufräumen möchte. Das Selbstverletzung ein Kriterium der Persönlichkeitsstörung Typ Borderline gehört ist auch ein Klischee. Nicht jeder, der sich ritzt ist ein Borderliner – und nicht jeder Borderliner ritzt sich!

Alles in allem empfehle ich dieses Buch, wenn man einen Einblick in den Alltag eines Zusammenlebens mit einem Borderliner haben möchte! Aber wie gesagt – so ist es nicht nur, sondern kann es sein – es gibt noch tausend andere Beziehungs- und Lebensmuster eines Borderliners!

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Daten zum Buch

Name: Grenzverletzungen

Autor: T. A. Wegberg

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf

Sprache: deutsch

Seiten: 286

Format: Taschenbuch

ISBN: 978-3-86265-500-7

Erscheinungsdatum: 01.09.2015

Bildquelle: Schwarzkopf Verlag

 

 

 

 

 

 

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Nora,

    auch ich habe inzwischen erfahren dürfen eine Borderlinerin zu sein vom emtional instabilen typs und stimme vollkommen zu, jeder Borderliner ist ein eigener Mensch und ich weis ich würde mich in einer Selbsthilfegruppe von Borderlinern total unwohl fühlen, sind doch recht viele einfach zu extrem. Ich lese Deinen Block fast regelmäßig und stelle fest, auch wenn viele Eigenheiten vorhanden sind, sind auch dennoch viele Gemeinsamkeiten vorhanden. Was mir als eine Art spiegel vorhalten dient und dafür möchte ich Dir einmal danken. Selbst Deine Erfahrungen mit Deinem Psychiater sind identisch mit den meinen. Ich sende Dir ganz, ganz liebe Grüße
    Relax

    Antworten

    • Liebe Relax,

      tut mir aufrichtig leid, dass ich jetzt erst auf Deinen Kommentar reagiere :/ Dennoch ganz vielen Dank für Deine Zeilen!

      Was sind Deine Gründe, wenn ich fragen darf, warum Du Dich in einer Selbsthilfegruppe für Borderliner unwohl fühlen würdest? Ich meine, natürlich sind wir in unserer gemeinsamen Krankheit alle sehr verschieden und ja, ich kenne auch einige extremere Typen. Dennoch tut mir der Austausch mit anderen Betroffenen gut – wir lernen von einander und vor allem merke ich, ich bin mit meinen intensiven und manchmal ambivalenten Gefühlen nicht alleine.

      Damit möchte ich Dich keineswegs überreden, Dir eine Gruppe zu suchen! Es ist nur meine Erfahrung, dass ich anfangs gegenüber einer Selbsthilfegruppe sehr skeptisch war und diese nun ein sehr wichtiger Teil in meinem Alltag ist. Auch wenn es eher eine Depressions-Selbsthilfegruppe ist, haben fast alle mehrere Diagnosen, wo halt auch Borderline mit dabei ist!

      Ich hoffe, Du findest einen Weg für Dich – immerhin sind solche Selbsthilfegruppen ja auch nicht für jeden das Richtige … leider gibt es noch kein Patentrezept :/

      Dir alles Gute und liebe Grüße,

      Nora

      Antworten

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