SVV

Selbstverletzendes Verhalten (SVV) – Was kann ich als Angehöriger tun?

Und immer wenn wir offen drüber reden, fängt ein Tabu-Thema an zu sterben … – Lasst uns also reden – über selbstverletzendes Verhalten. Was ist das? Was zählt dazu? Und vor allem – was wünschen sich Erkrankte an Reaktionen von ihrem Umfeld?

Selbstverletzendes Verhalten (SVV) – Viel mehr als „nur“ Ritzen

Häufig wird mit dem selbstverletzendem Verhalten das sogenannte Ritzen assoziiert, bei denen sich in die Arme oder Beine geschnitten wird. Doch zu selbstverletzendem Verhalten zählt so viel mehr: z.B. das absichtliche Haare ausreißen, das Fingernägel kauen, das Schlagen auf die Knochen …

Neben den vorgenannten Beispielen gibt es noch ganz viele andere Formen des selbst-schädigenden Verhaltens, was auf den ersten Blick und vor allem für Außenstehende nicht nach Selbstverletzung aussieht – so z.B. übermäßiger Alkoholkonsum, riskantes Verhalten im Alltag/Straßenverkehr und dass absichtliche Begeben in gefährliche Situationen.

Egal auf welche Weise sich ein Mensch selbst verletzt bzw. selbst schädigt – es ist ein Ausdruck dessen, dass gesunde Bewältigungsmechanismen gerade nicht vorhanden sind oder ausreichen, um mit seelischen Belastungen umgehen zu können. Es ist ein deutliches Signal dafür, dass es diesem Menschen extrem schlecht geht und er Hilfe bedarf.

Zudem ist das SVV ein Symptom einer dahinterstehenden Erkrankung, wie z.B. einer Depression, einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) oder einer Persönlichkeitsstörung Typ Borderline.

Letztere Erkrankung wird häufig mit dem Selbstverletzen gleichgesetzt, doch nicht jeder Borderliner ritzt sich und nicht jeder, der sich selbst verletzt, ist von der Borderline-Störung betroffen!

Ich selbst habe mich über viele Jahre auf verschiedene Weise selbst verletzt, es war meine bizarre Überlebensstrategie – inzwischen bin ich zwar „clean“, doch die Narben an meinen Armen sind eindeutige und sichtbare Erinnerungen an diese Zeiten.

Mehrmals wurde ich darauf angesprochen und nicht immer waren das hilfreiche oder unterstützende Aussagen, auch wenn es von meinem Gegenüber vielleicht so gemeint war.

Sicherlich wird es hier auch keine pauschale Einheitsmeinung geben können, was man uns Betroffenen sagen darf und was nicht, daher fragte ich vor einigen Wochen die Leser meiner Facebook-Seite, was sie sich an Reaktionen, Aussagen und Unterstützung wünschen.

Im gleichen Atemzug fragte ich sie, was ein absolutes No-Go ist und was an Aussagen und Reaktionen vielleicht gut gemeint war, jedoch das totale Gegenteil bewirkte.

Vielen Dank an dieser Stelle an Carola von Treffpunkt Psyche, die meinen Beitrag zum Selbstverletzenden Verhalten auf ihrer Facebook-Seite geteilt hat und dadurch mit eine ihrer Leserinnen in einen Austausch kam. Beide sind sozusagen verantwortlich dafür, dass es diesen Blogbeitrag gibt 

Wie dürfen Euch Außenstehende, Freunde, Familienmitglieder auf Wunden und Narben, resultierend aus dem selbstverletzenden Verhalten, ansprechen?

Oder sollen sie es ignorieren? Was wünscht ihr, würden die Menschen in Eurem Umfeld tun? Was wäre für Euch unterstützend? Was ist ein absolutes No-Go?

♣ Ich finde es schlimm, wenn ich mich selbstverletze und danach Angst haben muss, wie andere reagieren… besonders wenn es Familienmitglieder sind. Ich möchte nicht noch mehr mit bösen Blicken und Sätzen wie “Warum hast du den Scheiß gemacht?!“ bestraft werden.

Ich wünsche mir ein bisschen mehr Verständnis und keine Bestrafung. Vielleicht, dass man mich nicht mit bösem Blick und Unterton anspricht, sondern fragt, weil man ungefähr verstehen will, wieso und warum ich das tat. Ich fänd es auch hilfreich, wenn man mir hilft, die Wunden zu versorgen.

♣ Negativ:
„Wie schwachsinnig, dass sich jemand selbst verletzt!“
„So ein Blödsinn kann auch nur Dir einfallen!“
„Kannst Du das nicht verstecken?“

Positiv:
„Gut das Du das nicht mehr tun musst!“
„Das ist nur ein Symptom! Hoffentlich hast Du das bald nicht mehr nötig“
„Gut das Du zu dir stehst!“ (ich verdecke meine Narben nicht)

♣ Ich habs lieber, wenn man mich direkt anspricht und nicht minutenlang draufstiert – hatte das schon mit nem Teeniemädchen, die in der Bahn fragte, warum ich mich geschnitten habe – Meine Kurzversion dafür ist, das ich ziemlich krank war, es mir jetzt aber besser geht. Das reicht an sich auch! Es ist vielleicht nicht die eleganteste oder beste Beschreibung, aber für Aussenstehende als Erklärung ok, denk ich!

Das Mädchen hab ich dann noch bestärkt, das sie weiter fragen soll, wenn sowas ist – man muss ja nicht antworten, hat dann so aber die Chance, vielleicht Barrieren abzubauen!

♣ Früher habe ich mich auch versteckt. Aber Meine Mutter hat eines Tages gesagt: „Warum versteckst Du es? Die Narben gehören jetzt zu Dir. Außerdem kannst Du es nicht mehr ändern. Steh dazu, steh zu Dir!“
Meine Mutter informiert sich auch und versucht mich zu verstehen.

♣ Du wirst nach dem Aussehen beurteilt, obwohl der Charakter das ist, was zählt. Und wenn Du nicht aussiehst, wie sie es haben wollen, bist Du abgestempelt.

♣ „Hör doch einfach auf damit.“ – Ein Satz, der alles schlimmer macht.  In den Arm genommen zu werden, ist auch nicht so mein Fall. Nichts sagen. Da sein mehr nicht.

♣ Verständnis ist wahrscheinlich schwer. Mir würde schon reichen, wenn man mich dann einfach kurz in den Arm nimmt. Worte braucht es da nicht.

Zu mir sagt man auch „Ruf mich doch lieber an oder haue mich stattdessen.“, was jedoch auch viel zu einfach gesagt ist und mir nicht hilft.

♣ Nicht hilfreich ist: „Hast du ne Katze?“ oder „Hast du mit ner Katze gekämpft?“ –  obwohl man eindeutig sieht oder gesehen hat, dass es selbst zugefügte Schnitte waren. 

Positiv finde ich, wenn jemand versucht zu hinterfragen, warum ich das mache bzw. gemacht habe. Auf eine vernünftige Art und Weise und nicht so blöd wie die meisten. Mir ist es wichtig, dass mein Handeln nicht bewertet wird. Ich habe mir immer gewünscht, dass es auf eine Art akzeptiert wird, dass SVV für mich ein Ausweg ist, ein Ventil, wenn der Druck zu groß wird.

Für mich ist es eben hilfreicher wenn jemand mit echtem Interesse fragt, warum ich das mache, anstatt auf die „Du-bist-doch-bescheuert-warum-machst-Du-das-Art.

♣ Leider bekomme ich oft gesagt, dass ich an vielen Dingen oder Umständen selbst Schuld bin. Eigentlich bin ich an allem Schuld … Dann flüchte ich oftmals in den Rausch in Form von Alkohol.

♣ Was ich so gar nicht ab kann an Sätzen, sind so Sachen wie: „Stell Dich doch nicht so an!“, „So schlimm/schlecht kann es Dir doch gar nicht gehen!“, „So etwas macht man doch nicht!“, „Schämst Du Dich denn gar nicht?“, „Nur Bekloppte machen so etwas!“, „Ich versteh Dich nicht, wie kannst Du Dir das denn antun?“.

Helfen würde mir eine ehrliche Frage nach den Gründen – bei wirklichem Zuhören und ohne hinterher mit irgendwelchen Ratschlägen zu kommen.

♣  „Du spinnst doch!“, „Du hast sie nicht mehr alle.“ und „Dich kann man ja net mehr auf die Menschen loslassen…“ sind nur einige an Aussagen, die mir wehtun.

Auf der anderen Seite sind da die Menschen, die es verstehen und ohne blöde Kommentare einfach fragen,was passiert ist und warum man sich net gemeldet hat.

♣ Wenn mir jemand Vorwürfe macht,nachdem ich mich geritzt habe, schwebe ich in Lebensgefahr, weil dadurch die Suizidgedanken ganz laut werden.

Man sollte es akzeptieren, dass es für mich ein Mittel ist runterzukommen, wenn andere Skills versagen. Da würde es mir schon reichen, dass es keine Vorwürfe gibt und man mich eventuell fragt, was los ist.

♣ Generell fand ich bisher die verallgemeinerten Abwertungen von Menschen, die sich selbstverletzen, am schlimmsten. Zb „Menschen, die sowas tun, wollen nur Aufmerksamkeit“ oder „Die wollen es doch so, sonst würden sie einfach damit aufhören“. Bei sowas werde ich sofort getriggert.

Auf meine Narben darf man mich ansprechen, aber es muss respektvoll geschehen. Keine Vorwürfe, keine Verurteilungen. Wenn sich jemand dafür ernsthaft interessiert und den Hintergrund wissen möchte, bin ich gerne bereit zu versuchen, meine Gefühle und Gedanken zu erklären.

Ich erwarte kein Verständnis. Dafür aber Akzeptanz und Toleranz. Ich will nicht abgewertet werden, weil ich das mal als Überlebensstrategie hatte oder noch habe.

Ich möchte, dass mein Gegenüber auch akzeptiert, dass er die Beweggründe vielleicht nicht verstehen kann, auch wenn er es möglicherweise ernsthaft versucht. Es bringt nichts, noch 10x zu fragen „Ja, aber warum…“, „Ja, aber ich verstehe immer noch nicht,…“ – Es kann ab einem Punkt unmöglich sein, weiter darüber zu sprechen, ohne dass sich der eine oder beide Gesprächspartner unwohl fühlen.

♣ Ich bin an der Hälfte meines Armes über den Narben tattoowiert. Viele Kunden sprechen mich an wie schön das Tattoo aussieht. Doch es gibt einige, die auch darauf starren oder so beiläufig erwähnen das der Arm noch weiter gemacht werden müsse. 

Am liebsten würde ich es wollen wenn die Menschen nicht meine Vergangenheit sehen würden. Deshalb auch die Tattoos. Sicherlich kann man diese nicht ändern oder ausradieren. Dennoch schäme ich mich dafür und mir tut jeder Blick oder jeder Kommentar weh. Egal ob positiv oder negativ. Denn es ist egal, wie aufmunternd die Worte sind, man wird immer wieder an den Schmerz erinnert, der damals geschah.

♣ Die Haupsache für mich ist, dass ich mich so aktzeptiere wie ich bin und mich nicht verstecke und anderen sollten uns auch so akzeptieren.

♣ „Warum tust Du das, so schlimm kann das alles gar nicht sein. Wenn Du damit nicht aufhörst, bring ich Dich in die Psychiatrie.“ – Das sind Aussagen, die mich total unter Druck setzen.

Ich wünsche mir, dass meine Angehörigen, Freunde und Bekannten – die ja auch wissen, dass ich in therapeutischer/ärtztlicher Behanldung bin – mein Verhalten so hinnehmen und mich nicht darauf ansprechen und vorallem die blöden Sprüche sein lassen. 

♣ Ein absolutes No-Go sind folgende Aussagen: „Wieso tust Du das?“, „Emo-Kind“, „Hör auf damit, sonst schicke ich Dich in die Psychiatrie und bestelle Dir einen gesetzlichen Betreuer.“, „Willst Du nur Aufmerksamkeit?“

Angehörige sind damit völlig überfordert. Versuchen aber zu verstehen was schief läuft/lief und welche Auslöser das sind. Meine Freunde nehmen mich so wie ich bin. Auch mit meinen Narben. Sie helfen mir.

Und was ich ganz lieb fand von meinem Freund, der auch damit überfordert ist: „Iich liebe alles an Dir. Auch Deine Narben. Hör auf, auf das zu hören was andere über Dich sagen oder die Dich verurteilen. Ich kann es Dir nicht ausreden, es nicht zu tun, versuch es bitte nicht. Bitte mach diese Hülle dieser Wahnsinns-Frau nicht kaputt.“ Ich sagte ihm, dass ich das nicht versprechen kann. Er bejahte es und sagte dass ich ihn dennoch immer anrufen kann, wenn ich das Verlangen hab.

♣ Was bei mir auch in Ordnung ist, wenn man mich auf die Narben anspricht. Bei frischen Verletzungen winke ich ab und sag, das es eine lange Geschichte ist. Dann denken sich die meisten das schon und lassen mich in Ruhe, bis ich von allein komme. Dann wissen die, das es mir wieder besser geht. 

Ich zeige meine narben. Weil ich gelernt hab nicht auf andere zu hören und die Äusserungen zu überhören.

♣ Hilfreiche Aussagen sind für mich z.B.: „Ich kenne das. Ein Freund/Bekannter von mir hat das auch gemacht.“ oder „Ich weiß, wie Du Dich fühlst. Ich hab das und das dagegen gemacht.“ oder „Finde heraus, was Dich glücklich macht und mach es. Egal, was andere sagen. Wenn Du meinst, auf einem Spielplatz zu sein, mach es.“

Manchmal tut’s auch eine liebe Umarmung.

♣ Ich möchte nicht gefragt werden, wenn die Wunde zu sehen ist. Oft hat man einen Verband oder Pflaster drauf. Es dient nicht um Mitleid zu erregen oder andere Leute zu schockieren. Es ist ein Ventil, um den inneren Druck abzubauen. Ein Kessel ohne Druckventil droht zu platzen.

♣ Die genervte Frage „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ tat mir weh. Hilfreicher wäre: „Geht’s Dir nicht gut, kann ich irgendwie helfen?“

♣ Ganz schlimm fand ich ihn meiner letzten Therapiesitzung die Aussage meines Thetapeuten „Wenn Sie das nochmal tun, muss ich die Therapie abbrechen“. Das setzt mich extrem unter Druck. Ich kann ja verstehen, dass er es nicht gut findet, aber das ist doch nicht der richtige Weg. Ich brauch doch seine Hilfe und möchte nicht nur unter Druck funktionieren können.

Konstruktive Vorschläge hinsichtlich passender Skills würden mir eher helfen, sowie die Suche nach den Auslösern.

♣ Wenn ich mir eine Reaktion wünschen würde, wäre es einfach eine feste Umarmung. Das Gefühl zu kriegen nicht fallen gelassen zu werden. Wenigstens für einen kurzen Augenblick.

♣ Was mir immer sehr weh tut ist, wenn jemand Bekanntes aus meiner Familie sagt, wenn ich mich selbst verletzt habe „Hast es ja schon wieder gemacht! Kannst Du mir mal sagen was diese Sch…e soll?“

♣ Absolut nicht hilfreich sind Sätze wie: „Wenn Du das noch einmal tust, denn Klatsch ich Dir eine.“ oder die vorwurfsvolle Frage „Warum kommst Du nicht lieber zu mir, bevor Du sowas machst?“

Was mich mehr unterstützen würde wäre sowas wie „Okay ja, ist passiert, aber wir schaffen es gemeinsam dadurch.“ Oder das man mich einfach in den Arm genommen hätte.

♣ Ich verletze mich zur Zeit vorwiegend an den Fingern, an den Händen und wenn ich unterwegs bin oder mit jemandem zusammen bin und sehr gestresst bin, knuble ich die „Narben“ auf. 

Was bei mir oft passiert dann ist, dass die Leute sagen „pscht, lass es!“ oder sie hauen mir eins auf die Finger und das nervt mich dann so tierisch, dass ich noch mehr dran reissen muss, bis das Blut runter läuft.

Ich finde es traurig, dass Leute so hinstarren und wenn man fragt was ist, wenden sie sich lieber ab. Und ich finde es schlimm, dass die Leute zwar wissen wollen was los ist und wenn man es ihnen sagt, stösst man nur auf Unverständnis.

Ich wünsche mir, dass die Leute, die fragen, auch bereit sind mit einer schwierigen Antwort umgehen zu können. Ich wünsche mir, dass das Thema nicht mehr so stigmatisiert wird.

♣ Ich bekomme immer die gleiche Fragen zu hören: „Wieso tust Du das?“, „Tut das denn nicht weh?“ oder einfach „Warum?“

Doch von einigen habe ich auch schon viel Verständnis bekommen. Sie haben gefragt: „Darf ich fragen, wieso Du es machst, war Deine Vergangenheit so dramatisch?“ Von meinem Partner werde ich sobald er es weiß einfach in den Arm genommen. Aber von ganz vielen erlebe ich Ablehnung.

♣ Statt „Lass den Scheiß!“ mal sagen, „Lass uns reden – ich hör Dir zu.“

♣ Hilfreich wäre es, wenn das Umfeld gewillt wäre, wirklich verstehen zu wollen, anstatt zu verurteilen. Dann wäre es auch nicht nötig, die Folgen zu verheimlichen und dadurch wieder erneuten Druck aufzubauen.

Wenn ich mich selbst verletze, dann kann das viele Gründe haben, aber sie alle haben gemeinsam, dass ich in diesem Moment keinen anderen Weg gehen konnte. Denn wenn ich es könnte, würde ich es anders lösen.

Und was ich immer am schlimmsten fand, sind die Helfer wie Therapeuten und Betreuer oder auch Klinikpersonal, die einen per Vertrag dazu zwingen wollen es sein zu lassen. Im Zweifel inklusive einer Strafe, bei Vertragsbruch. Für Betroffene die als kleines Kind emotional traumatisiert wurden, ist das der blanke Horror. Es wird nur das Trauma erneut wiederholt.

♣ Austausch ist gut, mir hat es sogar geholfen, als Personen zu mir sagten „Ich bin damit überfordert, ich sehe Dein Problem, verstehe es sogar, aber komm hier mit Dir nicht weiter. Suche Dir bitte professionelle Hilfe.“

Hilfe ist auch, wenn das Umfeld verständnisvoll auf eigene Grenzen hinweist, ohne sich direkt abzuwenden. Wertschätzung und den Blick für die Dinge, die gut laufen bei der betroffenden Person, hat mir sehr gut getan. Respektvoller Umgang – nicht mit der Erkrankung sondern für die Leistungen die erbracht werden, trotz der Probleme. Und wenn es nur der gedeckte Frühstückstisch ist, das Erscheinen bei der Arbeit, das Bemühen den Anforderungen gerecht zu werden usw.

♣ Generell stehe ich ehrlichen und offenen Fragen auch offen gegenüber, wünsche mir aber, dass meine Antworten dann auch Akzeptanz erfahren und nicht mit irgendwelchen doofen Sprüchen kommentiert werden. Mache ich mit anderen ja auch nicht.

♣ Ich will nicht jedes mal einen ellenlangen Vortrag bekommen, wo mir erklärt wird, das die Person das nicht nachvollziehen kann und das sie nicht mehr weiter weiß und das ich der Person versprechen soll, es nie wieder zu machen. Ich kann sowas nicht versprechen. 

Pauschale Lösungen heute leider nicht im Angebot

Es sind eine Reihe an Aussagen zusammen gekommen und alle sind höchst individuell. Es gibt leider kein Patentrezept für den Umgang mit Menschen, die sich selbst verletzen müssen. Ja, müssen. Es ist eine Erkrankung mit Sucht-Charakter, von welcher man nicht von heute auf morgen genesen kann. Und mit einem „Lass das doch einfach.“ ist es leider auch nicht getan.

Wie bei so vielen Erkrankungen und Symptomenn wünschen wir uns alle vor allem einen respektvollen und wertschätznden Umgang. Das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass man trotz allem geliebt und geschätzt wird, ist wohl eine der wichtigsten Hilfen, die sich Erkrankte wünschen.

Mit einem Kommentar möchte ich diesen Beitrag abschließen und gerne zu einer weiterführenden Diskussion anregen:

♣ Es gibt etwas das mich seltsam berührt hat, irgendwie auch abgestoßen hat: ich war in einer Tagesklinik und hatte mich dort wieder gekratzt. Als folge trug ich dann ein sehr langes weißes Pflaster. In der Tram und auf der Straße war alles ok. Obwohl das Pflaster sehr auffällig war, warfen die Leute max. einen kurzen Blick darauf, mehr nicht. Auch ohne Reaktionen.

Aber in der Tagesklinik war es anders. Dort starrten die einen drauf, die anderen blickten peinlich berührt weg. Die verbalen Reaktionen waren entsprechend.

Nun meine Frage – wenn wir psychisch Erkrankte, die doch einen besseren Einblick haben als Außenstehende – so seltsam reagieren, wie können wir da erwarten das nicht Betroffene eine angemessene Reaktion zeigen?

Wie denkt ihr darüber? Was ist Eure Meinung? Habt ihr Anmerkungen zu den gesammelten Aussagen dieses Beitrages? Dann hinterlasst gerne einen Kommentar! 

Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Nora,
    Danke für diesen Beitrag. Bei mir ist es die Ventifunktion, die mich zum verletzen führt. Meine Ärztin meinte das es nicht zu meinem Erkrankungsbild passt und der Therapeut gab mir eine Liste mit Skills die ungefährlicher sind als Cuttermesser. Habe Beruhigungspillen die ich einnehme wenn es wieder schlimmer wird.
    Lg Heike

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  2. Hallo liebe Nora,
    Ich bin auf deinen Blog gekommen durch den Tischkalender „Tag für Tag gemeinsam stark Für 2019, indem dein Spruch + Blog- Adresse auch in einem Monat seinen Platz gefunden hat ;-).

    Ich finde diesen Beitrag sehr spannend. Ich bin selbst nicht Betroffen, aber ich bin schon einigen Menschen begegnet, die sich selbst verletzt haben. Meist bin ich diesen Menschen im Arbeitskontext begegnet. Ich arbeite im sozialen Bereich und habe viele Jahre in einem offenen Treff für Kinder und Jugendliche gearbeitet. Ich habe während des Lesens dieses Artikels gedacht, dass ich leider auch in manchen Situationen nicht wirklich hilfreich reagiert habe.
    Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich eine Jugendliche auch auf ihre Narben angesprochen habe, leider auch mit einem „Warum machst du das?“ Und hab mich dann später gewundert, dass sie auf ein „Wenn du Hilfe brauchst oder reden willst, sag gerne Bescheid.“ nicht reagiert hat…

    Ich muss gestehen, dass mich diese Situationen sehr überfordert haben… Ich habe mit älteren Jugendlichen oder auch Erwachsenen schon etwas erfolgreichere Gespräche bzgl. selbstverletzendem Verhalten geführt. Erfolgreicher, weil ich wirklich ins Gespräch mit Ihnen gekommen bin. Aber rückblickend würde ich einschätzen, dass es daran lag, dass sie soweit waren darüber zu sprechen und sich selbst zu reflektieren und nicht weil ich besonders einfühlsam war.

    Andererseits hat eine Jugendliche ja auf jeden Fall auch das Recht nicht mit mir darüber zu sprechen. Würde ich mich selbst verletzen, würde ich mit Sicherheit auch nicht mit jedem darüber sprechen, der mich darauf anspricht… und gerade, wenn man noch jünger ist, ist es bestimmt noch schwieriger über so ein sensibles und ja auch intimes Thema zu sprechen. Besonders wenn man plump darauf angesprochen wird…

    Alles Liebe dir und Danke für diesen Beitrag :-).

    LG Caritas

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  3. Ja Kraft geben deine Worte , aber auch zum nachdenken,wie man selbst in den Situationen reagiert.
    Sind wir doch als Betroffene so unwahrscheinlich empathisch,wir sehen Dinge,Sachen die die nicht erkrankten erst nicht wahrnehmen oder nie sehen werden.
    Wir werden abgestempelt und vieles mehr.
    Wir sollten offen auf diese Situationen reagieren und sagen oder über unsere Gefühle sprechen,wenn es dann möglich ist.

    Ich bin nun seit über10 Jahren Bordeliner mit vielen extremen.

    Es ist nicht JEDER und jeder Tag gleich.
    Gruß. JÜRGEN

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  4. Deine Worte geben mir Kraft,einerseits weil ich weiß ich stehe nicht alleine da und andererseits zeigst du mir auch Wege auf wie ich reagieren kann wenn meine Narben mal wieder „bestaunt “ werden.Danke .Ich selber schneide mich leider oft bzw habe ich bis vor 3 Wochen Unmengen an Zigaretten geraucht bis mir schlecht wurde.

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