Ich hab da mal ne Frage … an Tabea von „Seelische Erste Hilfe Leisten“

seelischeerstehilfe

Wie handelst Du, wenn Du bemerkst, dass Dein Kollege seit Wochen immer ruhiger wird und sich zurückzieht? Was machst Du, wenn Dir Deine Freundin sagt, dass sie keine Kraft mehr hat und nicht mehr kann. Wie reagierst Du, wenn Dir jemand sagt, dass er/sie nicht mehr leben möchte? Es gibt zig verschiedene  Situationen, wo wir mit Menschen in Krisen Kontakt haben – und öfter als wir denken, bemerken wir es nicht. Auch über Suizidalität bestehen viele Fehlannahmen.

Die gute Nachricht ist, dass wir lernen können, aufmerksamer zu werden und mit Menschen in schwierigen Lebenslagen empathisch und wertschätzend zu reden. So, dass wir Erste Hilfe für die Psyche leisten und die betreffende Person bei weiteren Schritten (z.B. zum fachlichen Hilfesystem) unterstützen.

All das hat sich auch Tabea Schwirblat gedacht, die 2020 den Online-Kurs „Seelische Erste Hilfe leisten“ konzipierte. Ich freue mich sehr, dass ich ihr ein paar Fragen stellen durfte, anhand welcher sie sich und die Initiative vorstellt.

Seelische Erste Hilfe Leisten – mit Tabea Schwirblat


Tabea, Du bietest mit „Seelische Erste Hilfe Leisten“ Erste-Hilfe-Kurse für psychische Belastungen an – warum?

Weil die meisten Menschen wissen, was zu tun ist, wenn jemand bewusstlos wird – aber nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn jemand bspw. in einer suizidalen Krise steckt.

In unserer Gesellschaft und unserem Bildungssystem ist es nicht so richtig vorgesehen, notwendiges Wissen und Kompetenzen zum Umgang mit seelisch belasteten Personen zu vermitteln. Dabei ist dies essentiell, weil wir alle im Leben Krisen und jede*r Zweite sogar eine psychische Erkrankung durchleiden!

Vielen ist im letzten Jahr die Fragilität mentaler Gesundheit bewusster geworden. Mit dem Bewusstsein ist aber nicht auch gleichzeitig die Kompetenz im Umgang mit Betroffenen gewachsen. Wir von Seelische Erste Hilfe Leisten befähigen in unseren Onlineseminaren dazu, selbstbewusster, informierter und empathischer mit seelisch belasteten Personen umzugehen.

Wie kamst Du auf die Idee?

Ich habe vor zehn Jahren selbst Erfahrung mit einer psychischen Erkrankung gemacht. Erst langsam verstand ich, dass die Therapie und Phase bis zur Genesung mich nicht schwächer, sondern stärker gemacht hat. Und dass das Stigma psychischer Erkrankungen vor allem durch Unsicherheit und mangelndes Wissen zustande kommt und großes Leid anrichtet. Das ist veränderbar! Also habe ich entschieden, eine soziale Initiative zu gründen, die es Betroffenen leichter macht, psychisch krank zu sein, und die es allen anderen leichter macht, ihnen zu helfen.

An wen richten sich Eure Kurse?

Wir bieten sie individuell (öffentlich) und intern für bestimmte Gruppen an. Sie lohnen sich für alle, die sich zum Thema mentale Gesundheit und Kommunikation weiterbilden möchten. Die separaten Kurse führen wir bspw. betriebsintern und in Fortbildungseinrichtungen durch. Lohnenswert ist dies vor allem für Personen in sozialen Berufen im weitesten Sinne.

Die öffentlichen Kurse sind sinnvoll für Angehörige und Freund*innen von Betroffenen. An Betroffene selbst richten wir uns nicht direkt, zumindest nicht zur Selbsthilfe.

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Was lerne ich in Eurem Kurs?

Neben relevanten Fakten zu psychischen Erkrankungen lernst du die Grundlagen wertschätzender Kommunikation kennen. Du übst anhand unseres innovativen Modells, konstruktive Gespräche mit Menschen in seelischen Krisen zu führen und rechtzeitig an Hilfe weiterzuleiten. Außerdem geht es – wie in jedem Erste-Hilfe-Kurs – auch um Eigenschutz bzw. um Abgrenzung.

Worauf bezieht sich das Wissen, was Dein Team und Du vermitteln?

Wir arbeiten trialogisch. Das heißt, dass in unseren Kursen die Erfahrungen und das Wissen von Helfenden, Angehörigen und auch Betroffenen einfließen. Dadurch stellen wir sicher, dass nur relevante Fakten und alltagsnahe Kompetenzen in einer didaktisch hilfreichen Form erworben werden. Unsere jahrelange Erfahrung mit Gruppenarbeit kombinieren wir mit fundiertem theoretischen Wissen aus Studium (Medizin, soziale Arbeit) sowie der Arbeit mit ausgewählter wissenschaftlicher Literatur.

Auf Deiner Website steht, dass Du Erfahrungsexpertin bist – was bedeutet das für Dich?

Das bedeutet, dass ich alle drei Perspektiven kenne: Mein Medizinstudium und die Praxiserfahrung in der Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen helfen mir genauso wie meine eigene Krisenerfahrung vor zehn Jahren. Zudem bin ich seit langer Zeit auch Angehörige von Betroffenen. Dies hilft mir, das Wissen auf Augenhöhe zu vermitteln.

Was sind eure Pläne?

Aktuell in Entwicklung ist ein weiterer Kurs zu Kommunikation mit Betroffenen von Partnerschaftsgewalt, welcher voraussichtlich ab Juli 2021 online stattfinden wird. Außerdem planen wir, zukünftig Aufbaukurse zum Umgang mit speziellen Krankheitsbildern, wie z.B. Depression, anzubieten. Von daher: Stay tuned!

Folgt uns gern auf Facebook und Instagram oder meldet Euch zu unserem Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben!

Welche Worte möchtest Du gerne noch auf meinem Blog hinterlassen?

Traut Euch, andere auf ihre mentale Gesundheit anzusprechen. Der erste Schritt kostet oft die meiste Überwindung. Aber die Betroffenen werden es euch danken! Und: Achtet auf Euch und andere, denn die „zweite Pandemie“ der seelischen Erkrankungen hat gerade erst begonnen. Jede*r kann mithelfen, dass niemand außen vor bleibt.

Danke für das Interview, liebe Nora!

 

Big News: Ich selbst habe unlängst an diesem Kurs teilgenommen und mir ein Bild davon gemacht. Die Mischung aus fachlichem Input und praktischen Übungen gefällt mir.

So sehr, dass Tabea und ich zukünftig zusammen arbeiten werden. Der nächste Samstags-Intensivkurs (12.06.21, 10 bis 16:30Uhr) wird mit uns beiden stattfinden, worüber ich mich sehr freue.

Melde Dich bis einschließlich 04.06. an und erhalte 5€ Frühbucherrabatt: Anmeldung zum Erste-Hilfe-Kurs mit Tabea & Nora

Hast Du selbst schon mal an einem Erste-Hilfe-Kurs für die Psyche teilgenommen? Was hast Du für Erfahrungen gemacht? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar 😉

Ein Teilen des Beitrags ist ausdrücklich erwünscht – wir möchten möglichst viele Menschen erreichen, um in der Gesellschaft und dem Umgang mit psychisch erkrankten Menschen etwas zu verändern.

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