Larissa Harold – Lost in doubts

„Lost in doubts“ ist der zweite Teil zu dem kürzlich vorgestellten Buch „Lost in myself“ von Larissa Harold. Die Angst- und Ess-Störung als auch die gewalttätige Ehe der jungen Protagonistin sind auch in diesem Buch die Hauptthemen – und natürlich der smarte James, den wir im ersten Teil schon kennen lernen durften. Doch mehr noch – wir werden Zeug*innen, wie die Protagonistin in sich wächst und für sich einsteht. Trotz der Angststörung.

Über die Autorin

Jahrelang litt Larissa Harold unter einer Angststörung und mit dieser auch an der Ignoranz und das Herunterspielen der Erkrankung von Außenstehenden. Neben der Angsterkrankung ist/war sie mit einer Ess-Störung konfrontiert und lebte viele Jahre in einer gewaltvollen Beziehung. Um auf diese sensiblen Themen aufmerksam zu machen, schrieb die 1987 in Recklinghausen geborene Ehefrau und Mutter dreier Mädchen über ihre Erfahrungen die Lost-Roman-Reihe.

In dem Ende 2018 geführten Interview „Ich hab da mal ne Frage … an die Autorin Larissa Harold“ erzählte sie mir schon einiges über sich, ihre Erfahrungen mit Diagnostik und Therapien und ihrer Buchreihe. Ursprünglich schrieb sie ihre Erfahrungen zur eigenen Verarbeitung nur für sich nieder, entschied sich dann um und veröffentlichte ihre Erlebnisse verpackt in einer Liebesroman-Reihe – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Erster Satz

Ich war dem Tod schon oft näher, als ich es mir eingestehen würde.

Inhalt/Klappentext

Die schwer verletzte Marissa wacht ohne jegliche Erinnerungen an die vergangenen Monate im Krankenhaus auf. Ihr Leben an Brians Seite entwickelt sich zu ihrem schlimmsten Albtraum. Komplett auf sich allein gestellt, muss Marissa nicht nur die Böswilligkeiten ihres Mannes über sich ergehen lassen, sondern auch herausfinden, was es mit diesem James auf sich hat. Da er ihr immer wieder Briefe aus dem Gefängnis zukommen lässt, bezweifelt sie schnell, dass er etwas mit ihrem Unfall zu tun hatte. Während Marissa mit ihrem Schicksal hadert, überschlagen sich die Ereignisse plötzlich, als der mysteriöse Jackson auftaucht. Unverhofft findet sich Marissa in einem Überlebenskampf wieder, der nicht nur ihr eigenes Leben auf eine harte Probe stellt. Denn der wahre Albtraum beginnt erst, als sie sich gegen Brian zur Wehr setzt.

Meine Meinung

Angst, Spannung, Freude, Romantik, Trauer, Entsetzen, Erleichterung – nahezu jede mir bekannte Emotion wurde in der fesselnden Love-Crime-Story hervorgerufen. Im Vordergrund des Romas steht die innige Beziehung zu James, was ich anfangs für mich etwas schwierig fand – ich steh nicht unbedingt auf Liebesromane 🙃

Doch durch die Liebe zu einem anderen Menschen, kann sich auch die Liebe zu mir selbst neu entwickeln – und das ist das, was mich an dem Buch so faszinierte. Die Selbstliebe der Protagonistin Marissa Harper wird hierbei gar nicht direkt betont und ob ich hier schon von „Liebe“ sprechen kann, sie auch mal dahingestellt.

Doch wir werden Zeug*innen, wie Marissa sich ihren Ängsten und Paniken stellt und sich aus der gewaltvollen Ehe und ihrem tyrannisierenden Partner loseist. Was hier in einem Satz geschrieben steht, erfolgt in dem Buch über einen Zeitraum von mehreren Seiten. Es wird realistisch dargestellt und keineswegs so rosarot wie die Farbe des Covers. Ich als Mensch mit Erfahrungen einer Angststörung und Panikattacken fand mich in den Erlebnissen der Autorin wieder und fieberte so mit ihr mit.

Diese Wandlung der Protagonistin, die für sich und ihr Leben einsteht und für ihre (emotionale) Freiheit kämpft, ist das, was mir an dieser Geschichte so gefällt.

Zwischendurch ertappte ich mich, dass dies so im real life ja gar nicht passieren würde oder das ich das jetzt ein bissel kitschig finde. Kurz darauf dachte ich aber auch „Warum nicht?“ Oftmals haben wir unsere Nur-das-kann-ich-mir-vorstellen-Brille auf und gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen fallen oft in ein Alles-oder-Nichts-Denken. Dieses Buch bzw. die Lost-Reihe zeigt, dass sich so manches im eigenen Leben wandeln kann, auch wenn man in akuten Krisen nicht daran glauben kann oder mag.

Was mir beim zweiten Teil, also bei „Lost in doubts“, einmal mehr aufgefallen ist, ist die geringe Beteiligung an außenstehenden Personen. Im ersten Teil „Lost in myself“ sind es etwa vier Charaktere, die wir kennenlernen, im zweiten Teil sind es immerhin sechs. Wo sind die Eltern, Nachbarn, Verwandten?

Es ist leider Realität, dass manche Menschen nur Kontakt zu einer Handvoll Personen haben. Auch dies widerspiegelt der Roman von Larissa Harold. Es ist so oft eine Folge der Depression oder Angststörung, dass Betroffene soziale Kontakte abbrechen, jene zu ihnen abgebrochen werden und sie so in eine soziale Isolation rutschen.

Neben der ermutigenden Selbst- und romantischen Fremd-Liebesgeschichte zeigt dieser Roman eben auch die knallharte Wahrheit über Angststörungen und deren Auswirkungen auf das Leben betroffener Menschen. Und damit trägt auch Teil 2 der Lost-Reihe von Larissa Harold zur Entstigmatisierung und Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen bei.

Daten zum Buch

Name: Lost in doubts

Autorin: Larissa Harold

Verlag: TWENTYSIX – Der Self-Publishing-Verlag

Sprache: deutsch

Seiten: 233

Format: Taschenbuch

ISBN: 978-3740745592

Erscheinungsdatum: 2018

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[unbezahlte Werbung,  das Buch erhielt ich kostenfrei als Rezensionsexemplar]

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